Umgang mit Gefühlen & Gedanken in der Meditation

SOULMASTERY

Ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht – es fließt ein konstanter Strom an Gedanken und Gefühlen durch uns hindurch. Immer. Auch nachts geht das Schauspiel weiter und wir können in Form von Träumen zuschauen und erleben. Es ist sogar manchmal einfacher diesen Umstand nachts wahrzunehmen als tagsüber, wo unsere Aufmerksamkeit extern gebunden ist in den vielen Erledigungen, Dingen und Aktivitäten.

Menschen, die Meditation ausprobieren bzw. am Anfang ihrer meditativen Praxis stehen, stellen (ggf. überraschend) fest, dass in der Stille der Einkehr der Gedankenstrom aufzuflammen scheint. Dies ist eine Art “mentale Täuschung“, die sich aus zwei Aspekten zusammensetzt:

  • Unsere Wahrnehmung, unser Bild von Meditation wurde dahingehend geprägt, dass wir Ruhe und Stille mit der Meditation verbinden und dies dann auch erwarten. Viele unterliegen auch dem Glauben, dass in der Meditation Gedanken angehalten werden können oder angehalten werden sollten. Das ist so in der Form zunächst nicht möglich und führt hauptsächlich zu Frustration und ggf. noch mehr Aufruhr im Kopf (siehe dazu auch diese kleine Zen-Parabel)

  • Der Strom an Gedanken (und Gefühlen) ist immer da und ist uns nur nicht bewusst. Wir sind auf dieser Ebene in einer gewissen Unbewusstheit “gefangen”. In der Meditation haben wir die Möglichkeit ebendiese Fähigkeit zu entwickeln und merken dann mit den ersten Meditationseinheiten, wie dies geschieht indem uns der Strom an Gedanken und Gefühlen überhaupt erst bewusst wird. Er flammt nicht erst auf, sondern wenn der äußere Lärm einmal “abebbt”, merken wir den inneren “Lärm”. Dies ist dann auch der erste Schritt in Richtung des inneren Friedens, der Ruhe, der Freiheit, der Selbstbestimmung und schließlich auch zur Glückseligkeit/Zufriedenheit.

An dieser Stelle brechen viele aber leider den Weg der Meditation ab. Wie dies so häufig mit Erwartungen der Fall ist – wird eine Erwartung enttäuscht, verpufft die Hoffnung auf die Erreichung eines Ziels, welches dem Vorgang zugrunde gelegt worden ist und wir finden uns in einem Zustand wieder, der (ggf. unbewusst) als negativ empfunden wird. Der ständige innere Dialog, der einem erst jetzt bewusst geworden ist, spricht dann in Sätzen wie diesen: “Meditation ist einfach nichts für mich.“; “Ich kann das einfach nicht. So still sitzen ist einfach nicht meins.“; “Bei mir klappt das nicht.“; usw…

Das ist insofern schade, als das hier eigentlich genau der Beweis erlebt wird, wie schnell und wie stark die Bewusstheit in uns wächst, wenn wir in uns kehren, die Beobachter Position suchen oder ggf. schon einnehmen können und das Schauspiel in uns einfach einmal betrachten. Der erste schwere Schritt ist schon getan, nur stehen wir uns (wie so oft) selbst im Weg.

Zu Beginn fühlt sich das schon mal wie ein Rückschritt an. Wir hatten Stille gesucht, finden aber einen dauerhaften Gedankenstrom. Das kann erschrecken. Die unbewusste Flucht vor diesem Strom ist ohnehin weit verbreiten und hat viele Formen und Facetten – Alkohol, Unterhaltung (Film, Serien, Spiele), Rauchen, Drogen, Fernweh, Heimweh, usw… Wir können natürlich ein Leben lang vor uns selbst davonrennen. Das kann vielerorts gut beobachtet werden. Ohnehin sind wir alle Experten darin bei anderen Menschen Dinge zu beobachten und zu sehen, die wir bei uns selbst kategorisch ausblenden (dazu ein kleiner Literaturtipp).

Wie kann ich als Meditator den Weg hier weitergehen? Wie kann ich mit den Gedanken und Gefühlen Frieden finden im Selbst?

Bevor wir in die konkreten Tipps & Tricks eintauchen, möchte ich an dieser Stelle noch hervorheben, dass für die meisten von uns (und hier für Männer mehr als für Frauen) das Denken anfänglich vordergründig ist. Das Fühlen ist für viele so tief ins Unbewusste gewandert, dass die (ebenfalls immer vorhandenen) Gefühle nicht bewusst wahrgenommen werden. Ich sehe öfters z.B. im Supermarkt am Samstag Menschen, die voller Wut, Hass, Zorn und Neid sind, dies aber selbst gar nicht wahrnehmen mit den entsprechenden Konsequenzen für ihr Erscheinungsbild (Haltung, Haut, Augen(ringe), ggf. Zuckungen oder zwanghafte Bewegungsmuster). Der “Keller” ist quasi schon voll von nicht verarbeiteten Emotionen und voller Gedankenschleifen. Aus diesem Grund widmen wir uns zunächst den Gedanken, aber dazu später mehr…

  1. Warum kann ich Gedanken nicht durch meine Gedanken anhalten? Was anfänglich plausibel klingt, ist leider so nicht möglich. Stellen wir uns kurz vor, wir wären ein Haus und der Besitzer ist nicht da. Alle Bediensteten, die auf das Haus aufpassen sollten, haben längst vergessen, dass es einen Besitzer gab und dass sie Bedienstete waren. Jeder fängt an sich wie der Herr im Hause zu fühlen und auch aufzuführen. Der Gedanke, ein Diener, sagt zu einem anderen Diener, dass er doch etwas lassen oder tun sollte im Haushalt. Dies wird nicht fruchten, da beide sich nun für den Herren halten und keiner sich dem anderen fügen mag. Die Gedanken sind für unser Wesen absolut gleichrangig, indem Sinne, dass sie voneinander keine Befehle entgegennehmen. Es wäre so, als würden wir versuchen uns mit einem Arm am Bein festzuhalten, um uns vom Gehen abzuhalten. Daher eignet sich der Gedanke nicht dazu “Seinesgleichen” zu befehligen. Es braucht eine übergeordnete Instanz, den ursprünglichen “Herren im Hause” – die Bewusstheit. Mit (ausreichender/entsprechend hohem Grand an) Bewusstheit ist dies der Fall. Die Frage, die sich dem anschließt, ist – wie komme ich zu mehr Bewusstheit über mich, mein Wesen, meine Gedanken? Wir werden nicht müde, dies immer wieder herauszuheben: Beobachtung und damit Aufmerksamkeit. Das ist gelenkte Energie, die transformativ und transzendental wirkt. Es ist eben die “mühelose Mühe“, von welcher so oft im Zen die Rede ist.
  2. Der Umgang mit der eigenen Energie der Beobachtung/Aufmerksamkeit: Viele wissenschaftliche Experimente (insb. an Pflanzen) haben schon gezeigt, welche Kraft Aufmerksamkeit hat. Zwei identische Pflanzen wurden mit identischen Rahmenbedingungen konfrontiert und einer der Pflanzen wurde starke Aufmerksamkeit in Form von Anschauen, Zuspruch und Meditation zu Teil, die andere Pflanze bliebt unbeachtet, aber bekommt exakt die gleichen Nährstoffe. Wie erwartet, wächst und entwickelt sich die Pflanze, welcher Aufmerksamkeit zu Teil wird, wesentlich schneller und stärker als die “Kontrollpflanze”. Um das Experiment am Menschen nachzuvollziehen, müssen wir uns nur für eine Weile an einen Kinderspielplatz begeben und die Dynamik zwischen Kind und Elternteil in Bezug auf den Aspekt der Aufmerksamkeit hin beobachten. Der “Takeaway” für unsere Meditationspraxis und den Umgang mit den Gedanken ist daher naheliegend – es wächst das, was unsere Aufmerksamkeit bekommt. Wir haben die Wahl – legen wir die Aufmerksamkeit auf die Gedanken und Wörter, die in unserem Verstand schwirren – wachsen diese. Lenken wir die Aufmerksamkeit aber auf die Pausen zwischen den Gedanken und Wörtern der internen Verbalisierung, wachsen mit etwas Geduld, die Pausen und damit die Stille. Jeder Gedanke, jedes Wort hat einen Anfang und ein Ende. Die geistige Tafel, auf der sie geschrieben werden, ist die Stille. Wir können diese Stille in uns also kultivieren, indem wir unsere Aufmerksamkeit, unsere Bewusstheit in der Meditation auf die Pause zwischen den Gedanken legen.
  3. Kaum habe ich mich zur Meditation hingesetzt, verliere ich mich schon in Gedanken.” Wem dieser Satz bekannt vorkommt, ist in bester Gesellschaft. Auch uns geht das nach vielen tausend Stunden Meditation immer mal wieder so. Das im Inneren gezeigte Kino ist nun mal interessant und auch irgendwo die Geschichte unseres Lebens. Wie gehen wir also damit um, wenn wir uns in der Meditation vom Gedankenstrom mitreißen lassen? Es ist sehr wichtig eine möglichst wertungsfreie Beobachtungshaltung sich selbst gegenüber einzunehmen. Mich dafür selbst zu peinigen, dass ich “schwach”/”unaufmerksam”/verträumt” bin bringt den gegenteiligen Effekt. (Randbemerkung: Diesen Zusammenhang scheinen auch Trainer von Hobbysportmannschaften leider selten zu verstehen.) Ich dagegen setze bei meinem “inneren Team” auf positive Verstärkung, wenn ich schon das Werten nicht gänzlich lassen kann. Insbesondere zu Beginn ist das Werten ein “treuer” Begleiter an unserer Seite (wie Kaugummi an der Schuhsohle) und lässt uns kaum wertungsfrei die Realität erkennen. Zu lange haben wir gelernt alles einzuteilen, zu kategorisieren und zu bewerten – “mag ich / mach ich nicht”. Damit auch dieser Umstand uns nicht direkt zurückwirft auf die schmerzhafte Erkenntnis unserer Unbewusstheit über unsere eigenen Muster im Inneren unserer Psyche, empfehle ich die besagte positive Verstärkung. Statt mich also zu ärgern, dass ich wieder mit meinen Gedanken “durchgebrannt” bin, freue ich mich darüber, dass ich einen Moment der Klarheit hatte, indem ich bewusst geworden bin, dass ich in Gedanken versunken war und komme ins das Hier & Jetzt zurück mit einer positiven Note eines Erfolgserlebnisses. Die Erfolge brauchen wir auch, da wir nun mal ein Leben lang darauf trainiert wurden erfolgreich sein zu müssen: “2nd place is the first loser” war ein beliebter Spruch in meiner High-School Zeit in Missouri. Mit zunehmender Praxis werden die erwähnten “Momente der Klarheit” immer häufiger und länger. Die Rückkehr aus der Zukunft oder Vergangenheit unseres Denkens in das Hier & Jetzt wird langsam trainiert und wächst mit der ihr zugewandten Energie unsererseits. Daher empfehlen wir eine stetige und kontinuierliche Praxis – am besten jeden Tag. Hier macht die Übung in aller Regel dann doch den (Zen) Meister.
  4. Wem das mit der Zuwendung zu den Pausen zwischen den Gedanken zu Beginn schwer fällt, kann noch den folgenden Tipp ausprobieren: Jeder Gedanke hat eine Richtung, aus der er in unser Wahrnehmungsfeld eintritt. Beobachte dies in der Meditation und ggf. wirst Du feststellen, dass ein Gedanke gerade von links-unten auf den Schirm tritt, oder von oben, oder von hinten … schau Dir das räumlich an und begleite diesen durch den Schirm in die Richtung seiner Bewegung. So kann z.B. ein Gedanke an einen anstehenden Termin von links erscheinen und Du kannst ihn sanft bei seinem Weg durch Dein Wahrnehmungsfeld nach recht raus begleiten – wie eine Wolke am Himmel. Wenn Du ihn raus begleitet hast und ihm ggf. zu siehst, wie er davonzieht, kannst Du hier das “Ende” des Gedanken (gem. Punkt 2) erkennen und diesem etwas mehr Aufmerksamkeit schenken.

Irgendwo in einem Paper zur Erforschung unserer Gewohnheitsbildung habe ich gelesen, dass Gewohnheiten sich besonders stark aufbrechen und neuknüpfen lassen, wenn damit eine Emotion klar verbunden wird. Da aus meiner Erfahrung jeder Gedanke mit einer Emotion einhergeht, ist hier meiner Meinung nach das Bewusstmachen der jeweiligen Emotion gemeint. Wenn ich mich an mein früheres Selbst zurückerinnere, so kann ich definitiv erkennen, wie das Vorhandensein der Emotionen von mir einfach nicht wahrgenommen wurde. Nach einiger Zeit der Introspektive und Beobachtung des Selbst, sehe ich nun ganz deutlich, wie die Emotionen in mir ständig präsent sind, sich fast augenblicklich abwechseln und mit dem Gedankenstrom verbunden sind. Diese beiden Kräfte stehen meiner Erfahrung nach in ständiger Wechselwirkung und bedingen sich gegenseitig.

Wenn wir auf dem Pfad der Meditation nun die Gefühle entdecken bzw. stärker anfangen wahrzunehmen, oder sie schon immer stark wahrgenommen haben, stellt sich uns eine neue Herausforderung. Ähnlich wie mit dem Gedankenstrom, dessen stetiges Vorhandensein uns bewusst geworden ist, sind die Gefühle jetzt auch “da” und der Umgang damit kann im Alltag schon mal zu einer Herausforderung werden. Damit das etwas greifbarer wird, stellen wir uns nun vor, wir sitzen in einem Meeting mit einigen “wichtigen” Akteuren, deren Wahrnehmung für den Verlauf unseres Projektes/Karriere/usw. wir als entscheidend eingestuft haben (als Extrapolation der uns zur Verfügung stehenden Information, die natürlich keinesfalls zutreffend sein muss ;-)). Jetzt haben wir unser Anliegen dargelegt und einer dieser Akteure äußerst sich extrem negativ/abfällig/geringschätzend dem Gesagten gegenüber. Vordergründig mag in uns ein Programm ablaufen, welches ggf. eine taktische Lösung mit einem Gegenargument/Gesprächsführungstechnik/NLP/usw. den Verlauf des Gesprächs beeinflusst und das Vorhaben nimmt seinen weiteren Lauf. Auf einer tieferen, emotionalen Ebene haben sich jedoch in diesem kurzen Zeitabschnitt tiefgreifende Vorgänge ereignet. Vermutlich wurde Angst, Wut, Verzweiflung, Neid, Hass und was nicht noch alles aufgewühlt und ausgelöst. Diese Gefühle können wir in einem solchen Setting sehr wahrscheinlich nicht ausdrücken, auch wenn dies ggf. die gesündere Alternative zum Unterdrücken gewesen wäre. Die Gefühle verschwinden aber nicht einfach so. Sie verpuffen nicht, nur weil es uns gerade nicht passt sie zu fühlen. Genau wie bei den Gedanken (und Strafe) schützt uns die Unwissenheit bzw. in diesem Falle Unbewusstheit nicht vor den Konsequenzen.

Im “Normalzustand” können wir nur zwischen der Expression und der Unterdrückung der Gefühle “wählen”

Wie wir in dem kleinen Beispiel sehen konnten, unterdrücken wir viele unserer Gefühle im Alltag mangels der Möglichkeit diese Auszudrücken. Anschreien im Meeting ist halt in unserem Kulturkreis oft ein “CLM” (Beraterjargon: carreer limiting move), es sei denn man ist in einer C-Suite/Macht-Position und kann sich nicht anders behelfen. So überrascht es nicht, dass es einige Therapiemethoden in unserem Kulturkreis gibt, die auf Katharsis setzen und dem Patienten Raum geben die vielen unterdrückten Gefühle loszuwerden. Einige können diese auch im (Extrem-/Kampf-) Sport verarbeiten. Viele begraben diese jedoch unbehandelt im “Keller”. Dies kann zu einigen psychischen und physischen Beeinträchtigungen führen. Ganz stark simplifiziert könnte dies analog der folgenden Skizze verlaufen:

Stellen wir unseren Organismus kurz wie den Hauptspeicher eines Computers vor. Dort gibt es auch diverse Cache-/Puffer-Level:

  1. Auf dem ersten Level steht uns das Unterbewusstsein zur Verfügung und fängt alle Informationen, Gedanken und Gefühle für uns auf, denen wir uns nicht bewusst aktiv stellen in dem Moment des Auftretens. Irgendwann füllt sich dieser Puffer und dies äußert sich mit diversen Symptomen, wie z.B.: Träume (Albträume), wiederkehrende Gedankenschleifen, u.ä. – die Häufigkeit und Intensität der Symptome sind Anzeichen dafür, wie voll dieser Speicher ist und dass er sich ggf. seiner Kapazitätsgrenze nähert. Jeder hat natürlich eine andere Speichermenge/-größe, die vorher unbekannt ist und sich auch schwer feststellen lässt.
  2. Wenn Level 1 voll ist, steht unserem Organismus ein weiteres Speicher-Level zu Verfügung – Level2-Cache im Computerjargon. Die zweite Ebene sind die Muskeln, Faszien und ggf. auch das allgemeine Gewebe des Körpers. Die nicht verarbeiteten bzw. verdrängten und unterdrückten Dinge wandern dann in die Muskeln und äußern sich in plötzlichen, unerwarteten und oft unerklärlich scheinenden Symptomen wie: Zähneknirschen nachts (Kiefer ist der stärkste Muskel des Körpers), Rückenleiden, Nackenverspannungen, Migräne, Tennisarm, Leistenbruch, Zuckungen (Gesicht, Hand, Augenlieder), usw…auch hier hat jeder eine andere “Tiefe” des Speichers.
  3. Behandeln wir nur oberflächlich die Symptome und missachten wir diese Zeichen weiterhin, manifestieren sich Verdrängung und Unterdrückung im hier sog. Level 3 Speicher. Dies sind dann gravierendere Symptome wie Tinnitus, Schlaganfälle, Krebs, Herzinfarkt, Neurodermitis (wobei das auch früher schon auftreten kann), usw. Es gibt diverse Studien, die belegen, dass ein großer Prozentsatz dieser Erkrankungen psychosomatisch bedingt sind.

Wie kann also Meditation hierbei behilflich sein und einen Ausweg aus dieser Eskalation der Symptome bieten?

Meditation hilft eine neue Umgangsform mit Gefühlen zu entdecken:

die Beobachterposition (#watcheronthehill)

Neben der Expression und der Repression gibt es eine dritte, weitaus bessere Möglichkeit im Umgang mit den Emotionen – das Beobachten.

Wie kann ich meine Gefühle weder ausdrücken, noch unterdrücken und trotzdem verarbeiten?

Wenn die Meditation uns eines lehren kann, ist es die Fähigkeit der Beobachtung. Diese ist, wie erwähnt mit dem Bewusst-werden für uns selbst und der Umwelt verknüpft. Antike Schriften sprechen da immer wieder von der #watcheronthehill Position in der geistigen Haltung. In einigen modernen Meditations-Apps wird dies auch immer wieder aufgegriffen und in verschiedenen Formaten wiedergegeben – beispielsweise:

  • “Beobachte die Gedanken und Gefühle als Verkehr an einer vielbefahrenen Straße, statt den Autos nachzurennen…”
  • “Sieh die Gefühle und Gedanken wie Wolken, die an einem vorbeiziehen…”

Bin ich mir nun der Tatsache bewusst geworden, dass eine Emotion in mir gerade aufsteigt, oder bereits im vollen Gange ist – z.B. Angst – dann habe ich nun die Wahl. Zuvor war ich wahllos. Ich habe die Emotion nicht bewusst kommen gefühlt und habe diese (je nach meiner Prägung und Situation) blind ausgedrückt (z.B. mit dem Resultat Streit) oder unterdrückt (z.B. mit den oben skizzierten Folgen). Jetzt habe ich aber eine dritte Möglichkeit, die der Beobachtung in der Einkehr. Dieses neue “Feature” kann ich jederzeit, also auch im Meeting einsetzen. Wie das?

  • Vielen hilft es mit dem Körper anzufangen, da dieser sowieso unser Ankerpunkt im Hier und Jetzt ist und uns immer sowieso eine große Hilfe ist. So gehe ich beispielsweise in einer solchen Stresssituation in meinen Körper und fühle, wo die Emotion gerade ist. Bei dem Beispiel Angst kann dies z.B. in der Magen-Region oder der Kehle sein. Habe ich die Sensation lokalisiert….
  • spüre ich deutlich in die Sensation und beobachte diese möglichst genau in ihrer Beschaffenheit. Wie fühlt es sich an – heiß? kalt? würgend? drängend? pulsierend? schwer? schmerzhaft? usw….da es für jeden (auch ggf. jedes Mal) anders verlaufen kann, lohnt sich hier der genaue Blick nach innen. Die Augen können bei all diesem Vorgang offen (oder geschlossen) sein. Er kann ggf. nur einen Augenblick oder mehrere Minuten dauern. So wie ich mich an die meisten Meetings meiner Berater- und Bankerlaufbahn erinnere, verpassen wir dabei rein gar nichts, außer selbstdarstellende Prosa und stärken unsere strategische Position sogar durch Abwarten und Schweigen. (Randbemerkung: dies lohnt sich so oder so mal auszuprobieren und nach dem “Mandella-Ansatz” als letzter in einem Meeting/bei einem Thema zu sprechen).
  • Habe ich nun das Gefühl in mir lokalisiert und identifiziert, kann ich damit einfach sitzen, ohne etwas dagegen zu tun. In unserem Beispiel sitze ich eh gerade in einem Meeting und kann ggf. auch weiterhin zuhören, sprechen, schreiben – aber ich wische das Gefühl nicht weg, ich drücke die Angst nicht unter die Oberfläche der Wahrnehmung. Ich drücke sie auch nicht aus durch eine Recht-Fertigung, emotionale Reaktion oder Geste. Ich nehme sie einfach deutlich wahr und beobachte sie ganz genau – wie verändert sie sich von Moment zu Moment? Wie zwickt und zupft diese an mir und verlangt sofortige Handlungen um irgendetwas “richtigzustellen” oder “abzuwenden”? Ich spüre diese Wellen und Impulse kommen und gehen – es sind eben diese Wolken am Himmel, die wir auch in der Meditation genauso beobachten würden (s.o.).
  • Wenn es mir möglich ist immer noch mit dem Gefühl zu sein und das Gefühl ist in seiner Intensität immer noch ungebrochen stark, ohne dass ich auf dessen Intensität willentlich einwirke, habe ich noch die Möglichkeit meine Beobachtung etwas auszuweiten. Ich kann versuchen zur Quelle des Gefühls in meinem Organismus vorzudringen. Zuvor habe ich die Region des Gefühls ausfindig gemacht und spüre nun, dass die Angst z.B. in meinem Bauch “sitzt”. Sofern ich immer noch mit diesem Gefühl sitze und es mich weiterhin “schüttelt” und “beutelt” kann ich nach einer gewissen Weile versuchen tiefer in das Gefühl einzudringen. Wo ist das Epizentrum des Gefühls? Mit meiner Intention, mit meiner Beobachtung gehe ich also ins Innere (hier ist es tatsächlich hilfreich die Augen zu schließen und auch in den Bauch zu atmen) und gehe immer tiefer in das Gefühl. Als Resultat dieser Reise kann es passieren, dass das Gefühl urplötzlich anfängt sich aufzulösen und Energie freizugeben. Diese Technik muss natürlich (wie jede) zu Beginn trainiert werden. Es kann ggf. erst nach einigen Versuchen klappen, aber diese lohnen sich. Wichtig ist bei diesem “Training” stets positiv mit sich selbst zu sein und am besten eine wertungsfreie Haltung dem eigenen Fortschritt, Verhalten und der Aufmerksamkeitsfähigkeit entgegenzubringen.

Soweit haben wir das Thema Gefühle am “Ernstfall” betrachtet, der im Geschäftsalltag, im Straßenverkehr oder bei jeglichem zwischenmenschlichen Kontakt auftreten kann. Wenden wir uns nun noch abschließend dem Training in diesem Zusammenhang zu – der Meditationspraxis. Wie ausgeführt sind Gedanken und Gefühle ein ständiger Strom in uns. Wenn wir uns also in der Meditation befinden und mal wieder einem/mehreren Gedanken nachgelaufen sind, dies merken und uns zurückholen ins Jetzt, eröffnet sich hier die Möglichkeit uns auch den Gefühlen zuzuwenden. Ggf. ist dies auch überhaupt erst die Möglichkeit sich der Gefühle bewusst zu werden. Wenn ich mich also “erwischt” habe beim Denken, entsteht in mir z.B. Freude über diesen Umstand – “juhu, ich bin wieder ein Stück bewusster geworden” oder Zorn “Mensch, jetzt denke ich wieder an den blöden Termin.” Beides ist natürlich ok und willkommen (wertungsfreie Haltung auf der Meta-Ebene). Es ist sogar DIE Gelegenheit diese Gefühle wahrzunehmen und damit zu sitzen. Hier können wir trainieren vom Denken ins Fühlen zu kommen und mit den Gefühlen einfach zu sein, ohne sie zu unterdrücken oder auszudrücken.

Habe ich nun die Fähigkeit der Beobachtung und des “Sitzens mit dem Gefühl” entwickelt, eröffnet sich mir eine ganz neue Dimension. Insbesondere merke ich einen signifikanten Energieschub, der aus der Transzendenz der Situation freigesetzt wird. Diese Energie ist zuvor in der Emotion gebunden und ist auch genau diese “Kraft” die sich in den “Puffer” absetzt, wenn wir sie nicht “handhaben” lernen. So steht sie mir nun zur Verfügung. Mit dieser Energie und der Freiheit von Reaktion auf den mir entgegengeworfenen Trigger, kann ich nun mit Abstand die Situation betrachten und agieren. Die zusätzliche Energie kann auch oft die Kreativität der Lösungsfindung beflügeln, aber auch das ist natürlich eine sehr individuelle Erfahrung und kann bei jedem anders verlaufen und zu anderen Effekten führen. In der Meditation kann diese Energie in meine Wachsamkeit/Bewusstheit fließen und mich aufmerksamer machen für diesen Moment, für mein Sein, für das Hier & Jetzt. Ggf. kann die Tiefe des Seins hierdurch stärker erfahren werden.

Dem aufmerksamen/bewusstem Leser ist vermutlich aufgefallen, dass für mich das Denken und der Verstand nie im Jetzt sind. Die Gedanken drehen sich aus meiner Sicht entweder um die Zukunft oder die Vergangenheit. Selbst wenn wir uns das “Jetzt” aktiv denken, ist es nicht mehr jetzt. Das Fühlen und der Körper sind für mich immer im Jetzt, auch wenn der Trigger für die Gefühle nicht aus dem gegenwärtigen Moment entstand. Das Gefühl den Boden zu berühren, oder die Angst, Freude, usw. fühle ich stets im Jetzt. Dieser Zusammenhang ist für mich ebenfalls ein Teil des Weges des Meditators – vom Denken zum Fühlen und damit immer mehr in den Moment.

Veränderung entsteht durch Aktion

Aus der Erfahrung im eigenen Weg und auch in der Zusammenarbeit mit vielen Kunden kann ich jedem nur empfehlen und dazu ermutigen an der eigenen Bewusstheit zu arbeiten. Eine tägliche meditative Praxis eignet sich hierfür am besten. Schon 10-15 Minuten (z.B. mit einer App) sind ein sehr guter Anfang und sollten mit der Zeit am besten auf 30 Minuten (oder mehr) ausgeweitet werden. Für die meisten ist der beste Zeitpunkt hierfür der frühe Morgen direkt nach dem Aufstehen. Da sind wir tendenziell am aufmerksamsten und können uns so möglichst häufig und zügig dabei “erwischen”, wie wir mit den Gedanken und Gefühlen in der Meditation “mitlaufen” und uns in den Augenblick selbst zurückholen.

Falls Du morgens die Praxis nicht unterbringen kannst, ist die Zeit vor dem Mittagessen auch eine gute Gelegenheit (in einem Meetingraum, Ruheraum oder einfach auf dem Klo ;-)). Wer die Praxis abends einbaut, jedoch mit dem Einschlafen zu kämpfen hat, sollte ggf. für sich und die eigene Belastung Rückschlüsse ziehen. Der Körper holt sich eben das, was er am dringendsten braucht. Der Schlaf aus der Meditation heraus ist nicht unbedingt etwas Nachteiliges. Einige Schriften besagen, dass das Unterbewusstsein die Aktivität im Schlaf fortführt (thematisch), die wir in den letzten Minuten vor dem zu Bett gehen in unser Bewusstsein “geladen” haben. Habe ich also Nachrichten oder einen Film geschaut geht die “Angst, Hass, Titten und der Wetterbericht” Tirade weiter im Schlaf. Habe ich vor dem Einschlafen meditiert, wird die meditative Qualität ebenfalls fortgeführt. Es gibt sogar einige Techniken, die bewusst darauf ausgelegt sind damit in den Schlaf zu fallen (z.B. die OSHO Golden Light Meditation).

Dieser Artikel stellt die subjektive Sicht der Autoren dar und erhebt natürlich keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit und Richtigkeit. Das wunderschöne der Introspektive ist eben ihre Subjektivität. Dennoch gibt es einige Parallelen und Muster, die uns immer wieder begegnen und wir hoffen, dass wir Dir auf Deinem Weg der Meditation mit unseren Ausführungen Inspiration, Mut und Energie geben konnten. Gerne stehen wir Dir für weitere Fragen, Kommentare und Anregungen zur Verfügung.

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