Spieglein, Spieglein….

SOULMASTERY

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass der eigene innere Keller und auch die innere Wohnung aufgeräumt und „gemanaged“ sein sollten, bevor man Menschen führen, oder komplexere Aufgabenpakete angehen sollte. Was passiert, wenn das nicht der Fall ist, kann man sehr gut in der „freien“ Wirtschaft beobachten. Insbesondere in größeren Konzernen werden Führungskräfte oft als unauthentisch, starr, manipulativ, technokratisch oder schlichtweg als inkompetent empfunden. Witzigerweise sind es häufiger durchaus überdurchschnittlich intelligente Menschen, denn schließlich durchlaufen viele davon ausgeklügelte, aber archaische Auswahlprozesse der jeweiligen Personalabteilung.

Insbesondere größere Unternehmen selektieren Ihre Führungskräfte fast ausschließlich nach dem IQ. In der jüngsten Vergangenheit hat hier allerdings ein Umdenken eingesetzt und der noch schwerer (wenn überhaupt) messbare EQ ist als Größe hinzugekommen. Dies ist natürlich zu begrüßen, denn ganzheitliche Intelligenz ist beides. Sie ist die Kombination der nach Außen gewandten Logik und der nach Innen gewandten Emotionen. Leider scheint es hier eine Art Korrelation zu geben – je finanziell verantwortungsvoller die Stelle, desto mehr ist der IQ die dominante Größe bei der Personalwahl. Natürlich wundert das keinen, war der IQ doch all die Jahre das Leitbild und auch die am “besten” messbare Eigenschaft der Intelligenz. Es bedarf auch eines eigenen Erlebnisses für das Verständnis der Kraft der emotionalen Intelligenz – des EQ. Nur wenn ein Personaler oder „Senior Manager“, welcher für die Selektion eines Kandidaten verantwortlich ist, diese Kompetenz selbst besitzt, kann dieser sie auch schätzen und weiß, dass es eben nicht nur auf die reinen PS (IQ), sondern auch auf die Reifen und Antriebsart ankommt (EQ), damit der Kandidat „die PS auf die Straße bringen kann“. Klar ist natürlich, dass ohne die PS auch die Pirelli Zero Rosso mit Allradantrieb nichts bringen, um bei der Auto-Parabel zu bleiben.

Nicht überraschend ist es daher, dass „bessere“ und „höhere“ intellektuelle Leistungen nur dann erzielt werden können, wenn eine innere Balance zwischen der Beherrschung des Intellekts und der Emotionen vorhanden ist. Die Beherrschung der Emotionen ist dabei keinesfalls mit der Unterdrückung dieser gleich zu setzen, dadurch entsteht nämlich der gegenteilige Effekt. Die Emotionen sollten effektiv eingesetzt werden. Dazu ist ein wenig ein Umdenken nötig, denn derzeit wird überall nur eine harte Kennzahl akzeptiert – Geld bzw. Profit. Der beste Manager ist heute immer noch eben der wirtschaftlich erfolgreiche. Das wirtschaftliche Messinstrument wird heute insbesondere bei größeren Unternehmen überall angelegt – ob es sinnvoll ist oder nicht. So werden z.B. Kantinen zunächst outgesourced und dann auf Profitabilität gemessen. Der Geschmack oder die Zufriedenheit der Mitarbeiter ist meist absolut egal. Es schmeckt alles nach Plastik mit Soße? Wen juckts?! Die Kantine macht schließlich keine roten Zahlen. Die irrwitzige Tatsache, dass eine Kantine ursprünglich als eine Mitarbeitervergünstigung bzw. -unterstützung konzipiert worden ist, ist natürlich längst vom IQ wegrationalisiert worden.

Von der Organisation an sich bzw. dem Konzern kann ein Manager also eher weniger Unterstützung bei der Balancierung des IQs und EQs erwarten. Wir können natürlich immer einmal „Glück“ haben und die eine oder andere Hilfestellung fällt durch die übergreifenden Strukturen zu. Darauf kann und sollte man aber nicht bauen, ist das Glück doch mit denen, die es nicht in ihre Pläne einbeziehen (sagte Konfuzius so oder so ähnlich). So sollte es jedem klar sein, dass es immer an einem selbst liegt, wie man den Alltag gestaltet, wie man die Menschen führt und was man aus der Situation macht. Die Umstände werden häufiger auf die eine oder andere Art ätzend sein und es wird immer Probleme geben, aber jeder kann selbst tatsächlich den Unterschied machen und sogar dabei „ansteckend“ auf seine Umwelt wirken durch Ausgeglichenheit, Mitgefühl und Zufriedenheit.

Manchmal stellen wir uns das Gras auf der anderen Seite grüner vor. Die anderen Teams und Abteilungen haben es ja so leicht. „Ich habe es ja so schwer“. Hätten die anderen bloß meine Herausforderungen – solche und so ähnliche Gedanken schleichen sich dann bei uns ein, wenn es mal rauer zur Sache geht. Dabei sind alle anderen nur ein Spiegel für uns. Alles was wir in den anderen Menschen sehen, ist eine Reflektion unseres Unterbewusstseins. Wenn wir uns von einem Menschen angezogen fühlen, ist etwas von uns in diesem Menschen, was raus will, was ans Licht will. Zumeist ist es ein Talent, eine Eigenschaft, die wir so nicht nutzen und sie sich aber zeigen möchte. Es kann sein, dass wir das nicht einmal besonders gut könnten, aber wir leben es einfach nicht. Deswegen zieht es uns an.

Genauso umgekehrt verhält es sich mit Menschen, die stark negative Emotionen in uns wecken. Es ist etwas in uns, was uns in Wahrheit an uns selbst aufregt. Dieser Splitter löst in uns das Ressentiment aus. Bei anderen Menschen Dinge zu sehen ist sehr einfach. Bei sich selbst ist das schon viel schwieriger. Ihr könnt es gerne instant testen – sucht euch einen beliebigen Passanten aus und schaut wie schnell euch auffällt was der oder diejenige anders und besser machen könnte – z.B. mehr Sport machen, anders anziehen, andere Körperhaltung, Ernährung, Brille, usw. usw. – dann überlegt euch kurz was ihr bei euch ändern könntet. Es wird euch sicher etwas einfallen, aber zu einem wird es länger dauern, bis dieses „Urteil“ gefällt wird und zum anderen fallen einem bei sich selbst nicht so radikale Dinge ein, wie bei den anderen.

Das witzige ist, dass es allen so geht. Ihr könnt euch sicher sein, dass eure Kollegen für sich denken – man hätte ich doch seinen Job, dann wäre alles so einfach. Mein Leben wäre ein Paradies. Es bleibt also für jeden nur der Blick in den Spiegel mit der Frage: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der beste (Manager) im ganzen Land?!

Was nachhaltig hilft, ist die innere Balance wiederherzustellen. Diese Balance kann man sicherlich auf unterschiedliche Weise erreichen. Die meiner Meinung nach nachhaltigste Methode ist jedoch die Meditation. Hier kann ich aus eigener Erfahrung sprechen. Sie bringt uns wahrlich in unsere Mitte und fördert unseren EQ, durch die Schärfung unserer Empathie und Intuition. Dies alles passiert fast ganz von allein, durch das Training unserer eigenen Beobachtungsfähigkeit. Der Blick in den „Spieglein an der Wand“ lohnt sich also schon, nur sollte die Frage bzw. die Betrachtung eine andere sein. Sich selbst zu beobachten kann insbesondere am Anfang eine schwierige Aufgabe sein. Wir helfen gerne dabei z.B. in arbeitsbegleitenden Programmen über 21 Tage zur Ausformung einer dauerhaften Gewohnheit, der meditativen Beobachtungsfähigkeit.

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