Second Hand

SOULMASTERY

 

Immer wieder gehen wir in unseren Beiträgen auf diversen Kanälen auf die Erfahrung und damit auch die Praxis ein. Es ist nützlich und wichtig eine theoretische Basis zu jedem Thema aufzubauen, welches einen interessiert. Die Bücher, Schriften, Videos und Artikel sind alles valide Quellen der Information. In vielen Themen ist auch eine theoretische Grundlage unabdingbar. Es ist also keineswegs etwas gegen die intellektuelle (Vor)Arbeit zu sagen, allerdings haben wir die Erfahrung gemacht, dass bei unserem spezifischen Thema der Meditation und der Reise in die eigene Innenwelt die Praxis wesentlich mehr zählt, als die Theorie. Die Theorie ist hilfreich und verkürzt gewisse Prozesse, hilft dabei „Hürden“ zu überwinden und ist für manchen notwendig, um sich dem Thema überhaupt öffnen zu können. Es darf allerdings nicht NUR bei der Theorie bleiben. Wir erleben immer wieder Menschen, die eine unglaubliche Menge zum Thema Meditation, Zen und Achtsamkeit gelesen haben und zuweilen freuen wir uns über einen intellektuellen Austausch auf ungleicher Ebene, wobei wir deutlich unterlegen sind. Das ist wundervoll bereichernd, jedoch sind es häufig genau diese Menschen, die zwar alles „über“ das Thema wissen, aber doch nicht eingetaucht sind. Man kann z.B. Zen nicht wirklich rein intellektuell begreifen. Man kann in dem Glauben verweilen es intellektuell durchstiegen zu haben, aber aus unserer „Brille“ des Meditators sehen wir dann doch den Unterschied zwischen dem reinen Studium und der Praxis. Solche Begegnungen wundert uns sehr. Natürlich sind Menschen unterschiedlich und nicht jeder ist so neugierig, mutig oder vielleicht auch einfach verrückt etwas Gelesenes oder gehörtes direkt in die Praxis umzusetzen und es einfach mal auszuprobieren. Wir selbst gehören eindeutig zu denjenigen, die alles sofort ausprobieren wollen und dies auch tun.

 

 

Natürlich verstehen wir insbesondere das Argument und den Aspekt Angst. Die Angst ist relevant und nicht alles was wir in der Meditation erleben ist immer stets positiv. Jeder von uns hat sein „Gepäck“ und „Dämonen“, die uns reiten. Kehren wir nach Innen so können wir zwar Stille, Frieden und Glückseligkeit erfahren, aber manchmal führt der Weg dorthin an einigen Traumata und verdrängten Erinnerungen vorbei. Zuweilen müssen diese Gebilde des Unterbewusstseins erst einmal richtig bewusst wahrgenommen werden, damit sie ein für allemal transzendiert werden können. Das ist klar und das verstehen wir natürlich. Aus diesem Grund kann und darf niemand in den Prozess gedrängt werden. Der Weg kann nur dann erfolgreich beschritten werden, wenn man bereit für die Auseinandersetzung mit sich selbst ist und ggf. die Notwendigkeit dieser erkannt hat.

 

Nun nehmen wir mal an, dass Du zu denjenigen gehörst, die dem Thema Meditation und der Reise ins „ich“ nicht gänzlich abgeneigt bist, aber noch keine praktischen Schritte unternommen hast. Mag es aus Angst, mangelnder Gelegenheit oder fehlender Priorisierung in der aktuellen Lebensphase sein. Dann haben wir hier ein paar Gedanken, die Dich vielleicht dazu anregen die Priorisierung zu überdenken.

 

 

Wechseln wir kurz den Schauplatz und denken mal an einen Flohmarkt oder einen Markt in einem Land des Orients. Hier geht es häufig zu und allerlei Güter werden ver- und gekauft, die aus dem Blickwinkel unserer Wohlstandsgesellschaft und Sozialisierung fragwürdig erscheinen. So werden z.B. Second Hand Klamotten noch als eine „akzeptables“ Second-Hand Gut wahrgenommen. Dennoch haben wir auch schon bei einem gebrauchten T-Shirt leichte Bedenken. Wir fragen uns z.B. ob das Shirt ordentlich gereinigt wurde? Bei einem Tuch, Handtuch oder Bettwäsche sieht es schon ganz anders aus. Auch die Kategorie gebrauche Schuhe weckt bei dem einen oder anderen sehr ablehnende Reaktionen hervor. Wir haben das große Glück in einer Gesellschaft zu leben, die uns ermöglich neue Güter zu kaufen und diesen Zustand zu genießen. (Klar kann ich mir an dieser Stelle eine kritische geistige Randnotiz zum Konsum und Materialismus nicht verkneifen, möchte hier aber auch nicht vom Thema abkommen.)

 

Faszinierend ist in diesem Zusammenhang für mich, dass viele in unserer Gesellschaft nicht dazu bereit sind second-hand T-Shirts oder Schuhe zu nutzen, aber in Angelegenheiten der Seele und des Geistes sehr wohl auf second-hand vertrauen. Wie das? Nun die Theorie, das Video, das Buch bringt uns Wissen und ggf. Erfahrung eines anderen Menschen. So ist es auch mit der Religion heutzutage und in der Form, in der sie aktuell (wenn überhaupt noch) praktiziert wird. In den allermeisten Fällen bleiben das wirkliche Erfahren und Erleben aus. Wir verlassen uns auf „second-hand“ Erlebnisse indem wir diese zwar theoretisch aufnehmen, jedoch nicht selbst erleben.

 

 

Im Gegensatz zu den neuen Air Max oder dem neuen Handy ist das Erleben der eigenen Spiritualität sehr viel Ressourcenschonender (auch für unseren Planeten). Neben der Erfahrung – statt des Glaubens – ergibt sich noch ein netter Nebeneffekt des reduzierten Konsums. Es ist durch einige Studien bewiesen worden, dass glücklichere Menschen weniger kaufen. Meditation macht nachweislich glücklicher, wenn diese konstant praktiziert wird. Durch die Praxis verschieben sich so manche Perspektiven. Man wird nicht zwangsweise die gebrauchten Schuhe besser/annehmbarer finden – was völlig ok ist je nach persönlicher Einstellung – aber die eigenen, schon vorhandenen Sneaker wird man ggf. in einem anderen Licht sehen oder gar neu-entdecken. In solch wichtigen Angelegenheiten wie der Seele, Geist, Spiritualität oder welches Label wir auch immer an das Thema kleben wollen stehe ich persönlich auf „first-hand“ Erfahrung und Erlebnis.

 

 

Wie sieht es mit Dir aus?

 

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