Programme

SOULMASTERY

Was steuert uns wirklich? Sind unsere Entscheidungen wirklich frei? Sind wir uns der Programme bewusst, die in unserem inneren „Betriebssystem“ laufen?

Auf die ersten beiden Fragen sollte jeder selbst eine Antwort finden. Dies ist keine leichte Aufgabe und hat schon so manchen Forscher, Philosophen und auch Psychologen ein Lebenswerk abverlangt, ohne auf eine allgemeingültige Antwort zu kommen. Neueste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sich in unserem Gehirn Aktivitäten ablesen lassen, bevor wir eine Entscheidung treffen. Mit gewissen Sensoren ist es also möglich vorherzusagen wann und wie ein Mensch sich bei einer binären Auswahl entscheiden würde. Diese z.T. erschreckende Information wirft natürlich weitere Fragen auf und führte mich zu der dritten der oben aufgestellten Fragen.

Im Nachfolgenden möchte ich mich daher eben dieser Frage widmen – sind wir uns der Programme bewusst, die in unserem inneren „Betriebssystem“ laufen? (Die Suche nach einer Antwort hierzu half mir wiederrum persönliche/subjektive Antworten auf die ersten beiden Fragen zu finden.)

Man mag von dem Film Matrix und insbesondere den Teilen II und III halten was man will, es gibt in dieser Trilogie jedoch einige Szenen und Dialoge, die mich persönlich faszinieren und Jahre später relevanter denn je zu sein scheinen. In der abgebildeten Szene treffen die Hauptprotagonisten Morpheus, Neo und Trinity auf den sog. Merowinger. Dieser Charakter ist dem Film nach selbst „nur“ ein Programm und kein Mensch. Er verfügt über Steuerungs- und Zugangsmöglichkeiten innerhalb der Scheinwelt der Matrix, die sich das Trio gerne zu Nutze machen möchte. Natürlich gibt der Merowinger diese wichtigen Instrumente nicht einfach so heraus und konfrontiert die drei „Suchenden“ mit der Frage der Kausalität. Er zeigt auf, dass das Trio unreflektiert einem anderen „Programm“ (in diesem Fall einem sog. „Orakel“) „gehorcht“ hat und ohne sich des „Warum“ bewusst zu sein einfach reagiert indem es sich auf die Suche nach dem Zugang zu „Hacks“ bzw. Abkürzungen in der Matrix aufgemacht hat. Das „Warum“ fehlt dem Merowinger und ist für ihn die entscheidende Frage. Neo weiß gar nicht so recht warum er den sog. „Schlüsselmacher“ vom Merowinger verlangt. Er weiß nur, dass ihm (von einer für ihn als benevolent eingestuften Quelle) gesagt worden ist, dass diese Figur des Schlüsselmachers für seinen Weg wichtig sei. Selbst Morpheus, der eine Art Meister-Rolle innehat wird durch die erzwungene Reflexion des unbewussten Handelns ungehalten und es kommt darauf hin zu einer Eskalation der Lage.

Was hat das nun mit uns und unserer „Realität“ zu tun?

Ähnlich wie Neo, Morpheus und Trinity werden wir nur allzu oft in unserem Alltag von Routinen, Gewohnheiten und Prägungen gesteuert. Simplifizierend möchte ich diese Einflusskräfte in der Matrix-Terminologie einfach als „Programme“ bezeichnen. Die Programme haben alle ihren Zweck, Historie und Sinn. Nicht alle sind negativ zu sehen. So ist es z.B. ganz hilfreich, dass wir automatisch nach links schauen, wenn wir eine Straße überqueren wollen (vorausgesetzt wir befinden uns in einem „Linkslenker“-Land). Wir sind und jedoch in den seltensten Fällen bewusst, dass uns gerade ein Programm gesteuert hat. Wir waren in diesem Fall auf „Autopilot“. Wie immer gibt es kein Licht ohne Schatten und so bringt der Autopilot auch oft Ängste, Hemmnisse und andere Verhaltensweisen mit sich, die wir ggf. sogar nicht wollen und abzulegen versuchen. In dieser Betrachtung geht es mir aber nicht primär um eine Bewertung der Programme an sich, sondern um das Zusammenspiel von unserem Unbewusstem und Bewussten im Alltag.

Wir sollten das „Warum“ erkennen, auch wenn wir uns dann dennoch entschließen danach zu handeln. In der beschriebenen Matrix-Szene ist es dann ein weiteres Programm (das Orakel) welches Neo gesteuert hat. So ist es auch mit uns. Mehrere Programme können ineinandergreifen und unseren gesamten Alltag bestimmen und strukturieren. Das mag der eine gut, der andere schlecht finden, aber wir haben als Menschen die Möglichkeit uns zu hinterfragen und können den Versuch wagen diese Antriebe zu erkennen. Betrachtet man die Historie der Psychoanalyse oder den Zen-Buddhismus ist nichts anderes das Ziel des Bestrebens dieser zwei scheinbar gegensätzlichen Ansätze. Sie gehen mit unterschiedlichen Mitteln und im unterschiedlichen Umfang an die Aufgabe heran das Unbewusste bewusst zu machen. Wir können so erkennen, was uns wie (an)treibt. Diese Erkenntnis ermöglicht uns nachhaltig Verhaltensmuster zu ändern oder aus diesen komplett auszusteigen, sofern wir dies selbst wünschen. Erst dann treffen wir bewusste Entscheidungen.

Bonusmaterial

Am eigenen Beispiel kann ich die beschriebene Szene aus dem Film vielleicht mit etwas Leben füllen – meinem Leben:

Programmierung

  • Meine Eltern und Jugend prägen mich im Hinblick auf die Wichtigkeit des Geldes, da wir in der ehemaligen Sowjetunion lebten und Ressourcen doch recht knapp waren. (Programm Nr. 1 -> Geld = Überleben)
  • Während meiner Schulzeit (nun schon in Deutschland & USA) schnappe ich aus dem Freundeskreis, Umfeld und Familie auf, dass „heutzutage“ in der Wirtschaft das meiste Geld zu holen ist (Programm Nr. 2 -> Wirtschaft = Geld)
  • Aus dem unbewussten Einfluss der Programme Nr. 1 & 2 heraus suche ich mir vermeintlich selbst aus BWL und VWL zu studieren und rede mir ein, dass es mich interessiert (Programm Nr. 3 -> Wirtschaft = mein Interesse = Geld). Natürlich ist der Einfluss zur Wahl des Fachs keineswegs mein wirkliches intrinsisches Interesse, sondern der unbewusste Einfluss bisheriger Programmierung.
  • Während des Studiums bekomme ich mit, dass in der Bank und Unternehmensberatung „noch“ am besten bezahlt wird. (Programm Nr.4 -> Beratung & Bank = Geld)

Implementierung

Nach meinem Studium bewerbe ich mich („zufälligerweise“) ausschließlich bei Beratungen und Banken und bekomme einen Job in der Beratung, obwohl meine tatsächlichen Interessen ganz woanders liegen. Ich freue mich dennoch wie Bolle und bilde mir ein, dass es jetzt DAS ist. Die Programme funktionieren recht prächtig, ich langweile mich bei der Arbeit unfassbar, obwohl ich z.T. 12-14 Stunden am Tag arbeite und meinen Freunden, Familie, mir selbst und meinem Lebenslauf erzählen kann, wie unfassbar wichtig und krass meine Projekte und Erfahrung sind. Das was mich damals wirklich freute (im Nachhinein betrachtet) ist das Geld und der damit verbundene Konsum.

Einige Jahre gehen ins Land und ich mache „Karriere“ in der Beratung und dann in der Bank. Die Programme funktionieren immer noch recht prächtig. Ich kaufe mir unnötigen Glump, der meinen Status unterstreicht und das Überleben als „gesichert“ erscheinen lässt.

Bugs

Trotz sehr viel Stress, diverser z.T. finanziell aufwändiger Hobbies, Reisen und zwischenmenschlicher Beziehungen fühle ich mich zunehmend unerfüllt. Es scheint mich alles zu langweilen. Das teure Essen, Partys, Exzesse, Autos und Reisen verpuffen auf der „Glückseligkeitsskala“ in immer kürzeren Abständen. Es kommt für mich irgendwie nicht in Frage auch nur irgendwas anderes zu machen, welches außerhalb der „Wirtschaft“ liegt, da nun mal die Programmierung tief sitzt und gut funktioniert. Selbst mein eigenes Unternehmen gründe ich (im Nachhinein) überwiegend aus der Absicht heraus Geld zu verdienen. Das Hobby schwing zwar mit, ist aber in der Überlegung sekundär, wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst bin.

„Updates“

Das Bild zeigt wieder einmal Neo (in der Matrix) im Zimmer des beschriebenen „Orakels“ (-Programms). Dort ist ein Schild „Temet Nosce“ angeracht, welches die Parabel zum Orakel von Delphi schlägt. Dort soll am Eingang des Tempels u.a. die Inschrift „Erkenne dich selbst“ angebracht gewesen sein. Dies ist die Aufforderung zur Auseinandersetzung mit der eigenen Innenwelt und den hier sog. „Programmen“. Die Erkenntnis der „Innenwelt“ ist für mich unweigerlich mit Veränderungen in der „Außenwelt“ verbunden. Ganz wie es die alten Griechen schon festgehalten haben.

Auch ich hatte einige solche „Warnschilder“ in meinem Werdegang vor der Nase. Zu den gegebenen Zeitpunkten konnte jedoch die Kausalitäten nicht erkennen. Die Wirkungskräfte waren mir gänzlich unbewusst. Die Programme hatten freie Hand. Mit etwas Zeit, einigen Rückschlägen und Problemchen, die der Lifestyle so mit sich brachte, fing ich an (zunächst) rein intellektuell mich mit „meinen“ Werten, Zielen usw. auseinanderzusetzen. Es folgten einige Erkenntnisse auf der Intellektuellen Ebene und waren zum gegebenen Zeitpunkt ein wichtiger Schritt. Heute ist mir erst klar, dass es wieder nur neue „Programme“ waren, die ich mir aufspielte – „Updates“. Ich sog Bücher auf, die voller weiser Worte waren und ich bildete mir ein, dass ich jetzt das Leben anders anpacken werde und jetzt gewisse Dinge verstanden hatte.

Was in Wirklichkeit passiert ist, ist dass ich von dem literarischen „Orakel“ auf die Suche nach dem „Schlüsselmacher“ geschickt worden bin. Ich habe Life-Hacks ausprobiert, mit diversen Techniken wie NLP rumgespielt und bildete mir ein jetzt ein „noch krasserer Jedi“ zu werden (um noch einen Film zu bemühen). Natürlich habe ich die gewonnen Erkenntnisse nur für meinen direkten oder indirekten monetären Vorteil eingesetzt. Dabei habe ich einfach den laufenden Programmen Nr. 1-4 (s.o.) „gehorcht“ und suchte die Optimierung der Geld-Frage.

Auf der Suche nach weiteren, krasseren „Life-Hacks“ – dem „Schlüsselmacher“ quasi – stieß ich ebenfalls auf eine Art „Merowinger“ Figur. Hier wurde ich (analog zu Neo) auch gezwungen nachzudenken, warum ich Life-Hacking überhaupt betreiben will, wohin die Rennstrecke führt, auf der ich gerade rase. Durch meine Neugierde habe ich mich auf die Diskussion der Kausalität mit mir selbst eingelassen und den „Schlüsselmacher“ gefunden: die Meditation.

Innere Ausgeglichenheit im Alltag

Manual override

Nach wenigen Wochen der Praxis bemerkte ich eine Veränderung in meiner Wahrnehmung der „Außenwelt“. Ich ging dem Thema nach und stieg tiefer und tiefer in die Meditation ein, probierte diverse Techniken und Arten durch. Hierdurch wurde Beobachtung geschult, die Innenwelt veränderte sich natürlich mit, es fiel mir bloß leichter Veränderung anhand der Außenwelt zu erkennen. Es folgte ein immenser Schub an Bewusstheit und Achtsamkeit. Nach einiger Zeit konnte ich die Programme als solche Erkennen und sehen was mich wann und wie steuert. Es war faszinierend zu beobachten, wie die bloße Erkenntnis quasi automatisch zu Veränderungen führt. Ich erkannte, dass „meine“ Werte, Ziele und Wünsche gesteuert/programmiert sind. Wie schon oben angemerkt, geht es mir nicht um die Wertung dieser. Manche empfinden wir als positiv, andere als negativ. Die Bewertung ist ein Thema für sich und für jeden selbst. Es geht um das bloße Erkennen.

Natürlich bin ich persönlich noch lange nicht soweit alle Programme in mir als solche zu erkennen und auch dann zu erkennen, wenn der Mechanismus zuschlägt. Wenn dies jedoch mal gelingt, sind es diese (eingangs erwähnten) Momente, die mir erlauben aus alten Verhaltensmustern aussteigen, sofern ich das wirklich selbst wünsche. Das ist für mich persönlich die Definition von Freiheit. Mit zunehmender Praxis steuere ich und werde immer weniger gesteuert. Im Alltag merke ich deutlich mehr Aktion und weniger Reaktion. Für mich war und ist es ein gradueller Prozess, der sich mit und durch die Meditation entwickelt.

Vielen Dank, dass Du einen Artikel von soulmastery gelesen hast. Weitere Artikel findest Du hier: SoulMastery

Menü