Mentale Navigation

SOULMASTERY

Wenn wir heute einen Ausflug, oder eine Reise unternehmen wollen, so haben wir es sehr bequem. Wir können die Route im Navi einsehen und diese auch vorher komplett durchgehen. Google Maps und Earth geben uns auch die Möglichkeit alles vor der Reise genauestens zu betrachten und uns ein Bild zu machen von dem, was uns erwartet. Wenn wir die Reise dann aber antreten, merken wir schnell, dass sich das Erlebnis einer Fahrt deutlich vom Navi-Bild und unseren mentalen Projektionen unterscheidet. Die erlebte Realität ist immer eine andere Sache, als die intellektuell begriffene Sache.

Dieses anschauliche Beispiel kann problemlos auf die mentale Reise übertragen werden. Ich kann in und von  zigtausend Büchern, Religionen und Mentoren Erklärungen finden, die mir erzählen, wie meine geistige/spirituelle/intellektuelle Reise verlaufen kann. Das Konzept wird je nach rhetorischen Fähigkeiten des Erzählers auch mehr oder weniger klar begreiflich gemacht. Allerdings ist es nur die kühne Arbeit der Intelligenz. Das tatsächliche Erlebnis und geistige Entwicklung kann nur erfahren werden. Um ein eigenes Verständnis dessen zu erreichen, was die eigene subjektive „Wahrheit“ sein kann, muss die Theorie in die Praxis umgesetzt werden. Die empfohlenen Übungen müssen gemacht werden, die beschriebenen Änderungen im Leben und an der Geisteshaltung müssen durchgezogen werden. Es ist der eigene „Walk“ zum „Talk“ eines anderen.

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Warum ist dieser Unterschied so wichtig?

Es fällt mir z.B. leicht das Konzept einer „Erleuchtung“, oder eines „Natural Law“ intellektuell zu begreifen, aber der wichtigste Schritt, die entsprechende Aktion im eigenen Leben zu tun fällt schwerer, als ich es mir vorgestellt habe. Vieles muss ich hinter mir lassen, einigem abkehren und am schlimmsten mir eingestehen, dass ich bisher ggf nicht den sinnvollsten Weg mit meinem Leben gegangen bin.

Aus meiner Beobachtung stelle ich fest, dass es in unserer „wissenschaftlich“ geprägten Gesellschaft ein gewisses Muster gibt. Demnach werden Bücher zu den Themen der spirituellen und geistigen Entwicklung nach dem „intellektuellen Kapieren“ einfach zur Seite gelegt und man wendet sich neuem „Content“ zu. Der interne Dialog kann dann z.B. so aussehen: „Erleuchtung ist sicher super cool, aber ich habe da keine Zeit im Moment im Zazen zu sitzen, da ich noch paar Projekte fertig machen muss.“  Alternativ auch: „Ich hab kapiert worum es eigentlich geht und das ist später sicher interessant für mich“.

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Literatur aus dem „esoterischen“ und spirituellen Gebiet begeistert immer mehr Menschen. Oft sehe ich Bücher sogar auf der Spiegel-Bestseller Liste, die in diese Richtung gehen bzw. weisen. Das Wissen wird dann oft konsumiert, aber eben auch wie ein Konsumgut im eigenen Verstand abgelegt – z.B. unter dem Aufkleber: „schönes Konzept“.

Genauso wie ich mir vorher nicht vollends vorstellen kann, wie schön ein idyllisches Reiseziel wirklich ist und die Reise dahin, wenn ich nur die Bilder betrachte. Genauso kann ich auch die Reise ins „ich“ und zum geistigen Wachstum nicht alleine durch das Lesen der Anleitungen und Berichte dazu vorstellen. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Foto oder sogar Video niemals das Gefühl bzw. Erlebnis so richtig wiedergeben kann. Egal wie teuer die Kamera, oder gut der Fotograf – die Realität ist einfach immer im direkten Erlebnis was völlig anderes. So ist es natürlich noch schwieriger für diejenigen, die eine Reise schon unternommen haben und im besten Falle diesen einsamen Strand gefunden haben, danach anderen davon zu berichten und diese dafür zu begeistern. Um die Parabel zu vervollständigen – so gab es unzählige „Gurus“ und „Propheten“, die alle ein Erlebnis der ultimativen Wahrheit hatten und dies dann Anderen in Büchern, Vorträgen, Praktiken und ähnlichem weitergeben wollen. Selbst also für diejenigen es gut verpacken und verständlich erzählen können, ist es trotzdem nicht möglich das Erlebte so darzustellen, wie es für diejenigen sich tatsächlich angefühlt hat.

Um das eingangs erwähnten „Reisebeispiel“ aufzugreifen: Vor einigen Jahren habe ich von einer Insel erfahren, die eins der letzten Paradiese dieser Welt sein soll und alles in sich vereint, was man einerseits von der Zivilisation wirklich braucht, aber so natürlich und schön ist, dass es Reisekatalogfotos liefern kann an fast jeder ihrer Ecken. Allerdings bedarf die Reise dahin einiger Mühe und Zeit. Analog zum geistigen Wachstum,  welches auch nicht mit einem Direktflug erreicht werden kann in Form von Gerätschaften, Apps oder Drogen, muss ich mir die Mühe machen an diesen Ort mühselig zu reisen.

Jetzt bin ich ein neugieriger Mensch und hab mich natürlich von den Berichten über die abgebildete Insel locken lassen und mir die Mühen gemacht auf diese Insel zu gelangen. Die Schönheit dort war (wie zu erwarten) noch unbeschreiblicher, als von mir aufgrund der Bilder und Berichte angenommen. Was aber noch unerwarteter kam, war die Atmosphäre auf der Insel. Diese wurde durch viele Faktoren geschaffen, die ich jetzt im Einzelnen auflisten kann und dadurch euch intellektuell dies vermitteln könnte, aber es würde sich natürlich für euch durchs Lesen nicht so anfühlen. Das Gefühl kann so nur bedingt und natürlich nur höchst subjektiv wiedergegeben werden…

Nun habe ich das Glück ein guter Verkäufer zu sein und bei Wunsch meinem Gegenüber so einiges andrehen zu können. Das klappt ganz gut bei Produkten des alltäglichen Bedarfs und Aktivitäten, die vergleichsweise wenig Investition an Zeit und Geld benötigen. Die Reise auf die besagte Insel ist aber eine größere Aktion und durch die Flüge nicht super billig. Es wundert mich also nicht, dass ich bisher fast keinen davon begeistern konnte diese Insel aufzusuchen, bevor Mensch auch dieses Paradies zerstört haben wird. Alle schauen sich die Bilder an, hören sich die Sotries an und sind hin und weg. Dann höre ich oft „wow, und das ist ja zu geil“ usw und so fort. Dann fahren die Leute doch wieder in den Cluburlaub oder auf die Aida oder zu ihrem gewohnten Reiseziel mit Direktflug.

Nun, eine Hippie Insel irgendwo im Nirgendwo mag für manche nicht das richtige sein. So ist die spirituelle Reise zum höheren Bewusstsein auch nicht etwas für jeden zum aktuellen Zeitpunkt seines jeweiligen Lebens…..oder dieses Lebens. Was natürlich völlig ok ist, zeigt aber, dass selbst wenn man weiß, wo das Paradies ist und man halbwegs erklärt bekommt, wie man gut hinkommen kann, die meisten es nicht wahrnehmen und sich mit Bildern dann das Erlebnis bei sich abhaken. Ganz nach dem Motto „Ja, ich seh’s. Ist cool. Muss ich mal checken.“ Es wird quasi auf die mentale „to-do“ Liste gesetzt, die in unserer Zeit zur Ablage für alle Träume und Sehnsüchte entwickelt hat.

Die Reise ins ich und zur höheren Bewusstheit ist faszinierend und sollte nicht durch bloßes vermeintliches Verständnis der Materie zur Seite gelegt werden. Glaubt man den vielen Philosophen, so ist das der eigentliche Zweck unseres Daseins. Ich kann euch nur ermuntern diese beschwerliche und auch (in der Währung Zeit) teure Reise anzutreten. Auch wenn die Landkarte im Navi nicht super spannend aussieht (zum Beispiel eine Menge Meditation) so ist es die Reise definitiv wert. Aber das kann ich hier leider nicht so transportieren…

Zum Glück gibt es so einige Reiseführer und Navis, die euch helfen können die diversen Routen zu verstehen und zu probieren, auch ist das Ziel oft schon beschrieben worden, aber die Reise angetreten haben bis jetzt noch immer die wenigsten…. Was fehlt ist das Tun. Hier und Jetzt. Heute und nicht morgen.

Vielen Dank, dass Du einen Artikel von soulmastery gelesen hast. Weitere Artikel findest Du hier: SoulMastery

 

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