loslassen glücklichsein erfahrungsbericht

Loslassen – DAS Geheimnis eines glücklichen Lebens? Ein Erfahrungsbericht

Der Seerhein zieht langsam plätschernd unter dem GFK-Rumpf unseres kleinen Motorbootes dahin. Strahlender Sonnenschein spielt funkelnd im Wasser, während die lauwarme Brise den kommenden Sommer am Bodensee bereits vollmundig ankündigt. Brav halten wir unseren „Schweizer Saphir“ strikt unter der vorgegebenen Geschwindigkeitsbegrenzung in dieser, vielbefahrenen Konstanzer Wasserverkehrsader. Schließlich haben wir schon leicht einen sitzen und wollen uns nicht zwingend mit der Wasserschutzpolizei unterhalten, die es hier des Öfteren auf die Verkehrsraudis abgesehen hat.

Glücklich Zufrieden Losalssen Meditation Achtsamkeit

Während wir versuchen nicht negativ aufzufallen, kommt uns aus dem Konstanzer Trichter eine größere Motoryacht entgegen, die deutlich zu groß für diesen See ist und sich auch deutlich über dem Geschwindigkeitslimit bewegt. Noch bevor uns ihre Heckwelle durchschütteln kann, erhasche ich einen Blick auf den Mann hinter dem Steuer. Dem „Starnberger“-Haarschnitt und -Kleidungsstil nach, muss es der Besitzer sein. Um die 60, die Rolex am Handgelenk, steuert er mit einer finsteren Miene sichtlich unzufrieden seine Wohlstandsdemonstration an den vielen Studenten vorbei, die sich ebenfalls schon entlang des Ufers betrinken.

„Hast Du gesehen, wie Aggro der Typ war?“, fragte ich voller Unverständnis meinen Freund und damaligen Bootsmiteigentümer, der sich gerade entspannt einen weiteren Schluck aus der Rothaus Radlerflasche gönnte.
„Tja…da siehste es mal wieder… Geld macht offensichtlich nicht glücklich!“, steuerte er eine Yogi-Teebeutel-Weisheit bei, während er die Bierflasche gemütlich in einen, speziell für solche Anlässe angebrachten Getränkehalter abstellte.
„Naja, ich denke, es kommt ganz drauf an, was man draus macht…“, konterte ich. Denn ich meinte gerade Geld zu haben und ich meinte auch irgendwie in diesem Moment glücklich zu sein.
Mein Freund blickte in die Ferne und fügte an: „Weißt du, ein schlauer Mann hat zu mir mal gesagt: „das Geheimnis des Lebens ist Loslassen“!“

Der Lachs muss gegen den Strom

Benz & Friends

Diese Unterhaltung fiel in eine Zeit, in der ich glaube, dass gegen den Strom zu schwimmen eine Errungenschaft meines Egos darstellen würde. Mit Stolz trug ich den Arbeits-Spitznamen „der Lachs“. Analog zum Fisch, hatte auch ich das ständige Gefühl mich gegen alle Widerstände den Fluss des Lebens hochkämpfen zu müssen, um dann irgendwann zum gelobten Land des Laichens zu gelangen. Erstaunlicherweise gelang mir dies auch mit einigem Erfolg. Der Kraftaufwand dazu war jedoch unverhältnismäßig hoch und ließ den „Kampf um die Ernte“ (wie es zu meiner Jugend in der Sowjetunion hieß) sich ähnlich aussichtslos anfühlen, wie das scheinbar notwendige, exponentielle Wachstum unseres aktuellen Wirtschaftssystems. Als Volkswirt wusste ich darüber natürlich bestens Bescheid. Wie aber auch beim Thema ‚Loslassen‘ war dieses Wissen zum damaligen Zeitpunkt jedoch rein theoretischer Natur.

Auch wenn mir der Rat meines Freundes schon damals einleuchtete und ich im Loslassen tatsächlich irgendwie eine tiefere Bedeutung vermutete, sollte ich noch einige Jahre den Spruch nur bei Verhandlungen einsetzen, wenn jemand zu meinem Vorteil nachgegeben hatte. Es musste noch viel Wasser den Seerhein runterfließen, bis ich mein Handeln nach dieser einfachen Wahrheit ausrichten würde. Doch eins nach dem anderen…

How our Reality is built

Natural Law: The Real Law of Attraction by Mark Passio

Eine neue Strömung

Die großen Fenster unseres Penthouse-Lofts stehen offen. Vom 14ten Stock betrachtet, räkelt sich München geradezu genüsslich im gleißenden Sonnenlicht. Mein Blick schweift über den Hirschgarten, aus dem es schon den ganzen Tag verheißungsvoll nach Grill, Freiheit und Freude riecht. Die warme Frühsommerluft zieht mich nach draußen, aber da warten noch einige E-Mails bezüglich des Insolvenzverfahrens meiner – nun ehemaligen – Firma in der Inbox auf mich. Das Krisenmanagement meines, sich gerade in einer feindlichen Übernahme befindenden Unternehmens hält mich zusätzlich zu meinem, todlangweiligen Job in der Bank davon ab, mein Mountainbike wieder mal aus dem Keller zu holen und eine Runde zu drehen. Dann, später kann ich vielleicht noch eine Runde am Wochenende drehen.

Costly view

Es klingelt an der Tür. Es ist Julia, die gerade von einer Meditationssession im Münchner Osho-Leela-Meditationszentrum wieder nach Hause kommt.

„Du glaubst nicht, was mir gerade passiert ist!“, stammelt sie, noch bevor wir uns begrüßen konnten.
„Tell me!“, erwidere ich ganz weltmännisch.
„Ich hatte vorhin DIE Idee!“
„Oha…“
„Nein, jetzt im Ernst! Wir machen Meditationsworkshops nicht für Privatpersonen, sondern für Unternehmen! Das mit den ganzen privaten Leuten, die nie Zeit haben und die sich auch am Abend nicht nehmen wollen ist Mist. So erreichen wir niemanden und keiner ist in dieser Welt noch bereit für Meditation zu bezahlen.“, polterte sie.
„Hm…keine schlechte Idee …und wo ich jetzt darüber nachdenke… B2B macht absolut Sinn.“, nahm ich die neue Strömung auf und ließ mich davon mitnehmen, anstatt wie gewohnt affektartig gegen eine Veränderung des Status Quo zu argumentieren. Aber Julia hatte Recht. Die 5€-pro-Person-Abends-Facebook-Meet-Up-Gruppe kann in unserer immer schneller getakteten Gesellschafft noch nicht funktioniere. Erst muss wohl der große (psychische) Zusammenbruch kommen.
„Genau! Dort, in den Unternehmen entsteht doch der ganze Stress und das Ausquetschen! Diese Menschen – wie wir – die brauchen es am meisten. Die Unternehmen können den Menschen ruhig wieder etwas zurückgeben, nachdem sie diese ausbeuten.“, sprach die Konzernerfahrung aus Julia.

Business Meditation

Gesagt, getan – das war der eigentliche Startschuss von soulmastery. Noch hatten wir natürlich kein Logo, keinen Namen und keinen blassen Schimmer, was uns erwarten würde, aber wir waren fest entschlossen. Es war auch eben diese Entschlossenheit, die uns die nächsten Jahre dazu trieb, 7 Tage die Woche wie besessen Kundenakquise zu betreiben und Plattformen, wie LinkedIn in alle Himmelsrichtungen abzuklappern. Bis zu einem Abend in Köln.

Die Mindfulness-Maskerade

Wir hatten das Privileg in einer sagenumwobenen Zeit zu leben. Eine Zeit, zu der es noch erlaubt war Menschen persönlich zu begegnen. Dies inkludierte Kongresse und Events, die wir hin und wieder widerwillig zur Kundenakquise und Netzwerkerweiterung nutzten. Es war uns von Anfang an eine Qual diese typischen Akquise-Tätigkeiten über uns ergehen zu lassen, aber die Horde der Traumkundengeneratoren war noch nicht so richtig aus dem letzten Kreis der Hölle ans Tageslicht gekrochen.

So fanden wir uns auf einer, der aus dem Boden sprießenden, „New Work“ Veranstaltungen wieder. Diesmal ging es um die „richtige“ Büroeinrichtung, die zum großen Effizienzorgasmus der wenigen anwesenden Unternehmer führen sollte. Diese wurden natürlich bei jeder Networking- und Kaffee-Pause von einer Schar aus Büroeinrichtungs-Anbietern und Mindfulness-Coaches umzingelt, die ganz beiläufig und nonchalant den eigenen Mist zu pitchen versuchten. Ein traurig-belustigender Anblick.

Warum ich uns nicht in diese Schar der Speichellecker inkludiere? Nun, abgesehen davon, dass wir uns noch nie so richtig dazu durchringen konnten, unsere „Business Proposition“ so offensiv an den Mann/Frau/Divers zu pressen, war diese Konferenz aus unserer Sicht etwas Anderes. Diesmal waren wir unter der Fahre unseres, inzwischen ins Leben gerufene, Künstler-Labels unterwegs. Als verblendete Künstler nahmen wir fälschlicher weise an, dass die nun befreiten New-Work-Legehennen, in ihrer Open-Space-Kickertisch-Bodenhaltung, auch etwas Leben an den aktuell beliebten und zumeist nicht-verputzten, anorganischen Betonwänden gut gebrauchen könnten.

Unsere Passivität brachte uns unweigerlich mit wundersamen Menschen in Kontakt, die sich ebenfalls auf diesem Event verirrt hatten. Loslassen ließ grüßen. Doch der wahre Grund unserer Anwesenheit, sollte sich uns erst gegen Ende dieses Events offenbaren. Die Vorträge waren beendet und alle hofften auf ein zeitiges Ende der scheinbar unendlichen Fragerunde a.k.a. „Experten-Roundtable“.

Fragerunde Präsentation

„Hat jemand noch eine letzte Frage an die heutigen Redner?“, hallte die aufgesetzt fröhliche Stimme des Gastgebers und Moderators über die Lautsprecher.
„Ja! Ich hier!“, ertönte es in einem unangenehm lauten Ton neben uns. Eine Sekunde später kämpfte sich schon eine Frau mit Kurzhaarschnitt und adrettem Jackett raketenartig Richtung Stuhlkreis in der Mitte des Raumes. Sie sah ihren Moment offensichtlich gekommen. Kaum Platzgenommen, führte sie einen minutenlangen Monolog über die Relevanz von Achtsamkeit und Soft-Skill im Rahmen von „New Work“. Als fast alle schon abgeschaltet hatten, beendete sie ihren getarnten Sales-Pitch mit einer rhetorischen Frage: „…und wer kümmert sich dann um die Mitarbeiter in ihrer Transition hin zu einem neuen Arbeitsumfeld?“…ohne jedoch eine Reaktion der Gesprächsrundenteilnehmer abzuwarten, feuerte sie sogleich ihre vermeintliche Silberkugel hinterher: „Denn ICH mache ja sowas!“

„Wow!“, dachte ich mir und las den gleichen Gedanken in Julias verdrehten Augen. „Wir haben einen neuen Tiefpunkt erreicht.“, flüsterte ich ihr zu.

Es war nicht das erste Mal, dass wir uns bei solchen Veranstaltungen fremdschämen mussten, aber dieses Mal half uns diese offensichtlich verzweifelte Frau die Mindfulness-Maske noch deutlicher bei uns selbst und in diesem mittlerweile ausufernden Mindfulness-Zirkus zu erkennen.

Neue Sache – altes Mindset

„Es ist recht still um euch geworden. Ist alles klar bei euch?“, lautete sinngemäß eine der ungelesenen Nachrichten in meiner LinkedIn Inbox, als ich überraschend feststellte, dass ich schon über eine Woche nicht mehr reingeschaut hatte. Noch vor wenigen Monaten wäre das undenkbar gewesen: Potenzielle Kunden könnten auf eine Antwort warten. Eine Chance einen neuen Kunden zu akquirieren könnte mir entgleiten, wenn ich nicht den zigsten Post zu den immer gleichen Themen kommentierte. Die verzweifelte Frau in Köln und die jüngste Änderung des LinkedIn Algorithmus – hin zu einer sich selbst verstärkenden Ideologieblase à la Instagram – waren die letzten Tropfen, die mein Fass zum Überlaufen brachten. Sie hatten mich befreit.

Sie haben mich befreit, Mr. Anderson

Mr. Smith’s unplugged earpiece – the Matrix Reloaded

Loslassen! Da war es wieder. Ich hatte losgelassen. Losgelassen von der Kundenakquise, losgelassen vom alten Kampf im neuen Achtsamkeits-Gewand. Losgelassen von meiner Angst.

Es fiel uns schon eine Weile auf, dass viele der Akteure, die wir auf unserem Weg trafen, ihr „Achtsamkeits-Business“ genauso betrieben, wie jedes andere Geschäftsmodell – mit dem alten Mindset des Kampfes. Von Anfang an hatten wir uns immer wieder selbst bewusst gemacht, dass wir keine Konkurrenz haben:
„Wir ziehen die Kunden und Menschen an, die zu uns passen und die anderen … na eben andere.“, sagte Julia immer wieder zu mir, als mich die Panik überkam, wir könnten hier und da noch eine Geschäftsmöglichkeit erschließen.
Immer mehr gaben wir uns dem passiven Weg hin. Dem Weg des Wassers … und dennoch saßen wir da. Jeden Tag auf Kundenfang in den Tiefen der sozialen Netzwerke, am Telefon und bei unzähligen Geschäftsterminen.

„Be water, my friend“

Der berühmte Spruch Bruce Lee’s teilt die Ansichten des Taoismus: das Wasser fließt zum niedrigsten Punkt und findet so mühelos seinen Weg. Das ist in meinen Augen der eigentliche Flow, von dem alle sprechen und kaum jemand zu finden vermag. Je mehr wir losließen und uns dem Fluss der Dinge öffneten, desto angenehmer, abenteuerreicher und spannender wurde unser Leben. Angst und Mut sind ja bekanntlich zwei Seiten einer Medaille, aber hier half uns Corona mit einem „kleinen“ Schubser auf unserem Weg des Loslassens.

Ohne Covid kein Beitrag

Ohne Covid geht’s heutzutage einfach nicht…

Noch nie war der Wandel so offensichtlich sichtbar, wie im vergangenen Jahr. Man mag es gut oder schlecht finden, einen Komplott vermuten, oder den Regierungs-Appartschiks uferlose Unfähigkeit unterstellen – all das hilft wenig, wenn es darum geht die laufenden Kosten zu begleichen und Essen einzukaufen. Die Angst hat die Gesellschafft fest im Griff.

Da unser bisheriges Geschäftsmodell von Offline-Workshops und Kunstausstellungen lebte, waren wir durch die neue Situation umso mehr „bereit“ loszulassen und neue Wege zu gehen. Die Herde rannte natürlich gleich los und folgte dem, was in einer solchen Situation tendenziell als erstes vom Verstand vorgeschlagen wird: der Hoffnung folgen das alte Narrativ in die neue Zeit retten zu können. Das Resultat: es hagelte Online-Formate auf allen Kanälen.

Natürlich sind Online-Angebote nicht pauschal schlecht und natürlich haben wir, z.T. auf Drängen unserer Kunden, es auch mit Online-Workshops versucht. Trotz durchweg positiven Feedbacks wussten wir (und unsere Kunden), dass es einfach nicht dasselbe war. Menschenabbildungen in Briefmarken-Kästchen mit teils ruckeliger Darstellung zu bespaßen ist und wird einfach nicht zu „unserem Ding“. Zum Glück, wie es sich zeigte.

Mal wieder offenbarte sich uns der Lauf der Dinge/des Universums/des Schöpfers/[füge hier Deine Bezeichnung einer höheren Gewalt ein]. Verbeißen wir uns in eine Sache, werden wir die vielen anderen Möglichkeiten nicht sehen und nicht wahrnehmen können, die sich uns ständig offenbaren. Je mehr wir anhaften, desto mehr glauben wir alternativlos unterwegs zu sein. Dazu kommt noch das Ego, welches sich fortwährend durch die gerade ausgeübte Betätigung zu definieren sucht.

Frei von Berufsgruppenzugehörigkeitsallüren fanden wir ganz neue Möglichkeiten unsere Talente und Fähigkeiten einzusetzen. Immer wieder fragten wir uns – „was von alldem, was wir bisher so gemacht hatten, hat uns am meisten Spaß gemacht?“ und „wie können wir diese singulären Tätigkeiten in dieser Welt ein- oder umsetzen?“. Dann kam mal wieder der „Zufall“ hinzu.  Wenn man (wer auch immer das ist) an solche Dinge glauben mag, dann hatten wir – mal wieder – wohl „Glück“ gehabt.

Der Verstand sagt…

Hätte mir jemand noch vor zwei Jahren gesagt, dass ich heute meinen Lebensunterhalt hauptsächlich als Ghostwriter und -PowerPointer verdienen würde, dann hätte ich ihn/sie/divers sicher ausgelacht. Der Verstand extrapoliert aus der Vergangenheit und kombiniert mithilfe aristotelischer Logik Zukunftsprognosen. Kurzum – er hat keinen Plan, was alles möglich ist, da er sich nur an dem Bekannten orientieren kann und von Haus aus bei den meisten einen Hang zum Pessimismus aufweist. Wer kann’s ihm verdenken – leben wir doch in einer höchst depressiven Gesellschaft, die kurz davor steht zu ex- oder implodieren.

Wir aber haben unsere Ängste einfach losgelassen und uns vom Flow des Lebens zu neuen Ufern treiben lassen. Ganz ohne Kampf und ohne „Hustle“, was in unserer, calvinistisch geprägten Gesellschafft ja fast schon an ein Vergehen grenzt. Ich höre immer noch Dieter Bohlens Stimme, die aus seinem eigenen Buch „der Bohlenweg“ vorliest:

„Es gibt nur eine Wahrheit, und das ist Arbeit. Ich weiß schon, allein das Wort treibt die meisten in den Komplettwahnsinn. Richtig in die Eisen zu gehen, sprich sieben Tage die Woche fünfzehn bis achtzehn Stunden zu arbeiten, ich gebe zu, das ist wirklich hart. Aber ohne Arbeit, und ich meine mehr Arbeit, als eigentlich üblich ist, könnt ihr eure Träume beerdigen.“

Auch ich dachte früher genauso. Es sind diese bewussten „Systemanomalien“, die uns stets vor Augen geführt werden, um uns durch Angst und Gier nach Mehr im Rad am Laufen zu halten. Dabei wird vermutlich bewusst unterschlagen, dass hinter diesen kommerziellen Erfolgen fast immer ganz andere Kräfte wirken, als nur die stets angepriesene, harte Arbeit.

Statt den Fluss also wieder hinauf zu schwimmen, lasse ich mich nun von der Strömung des Lebens tragen. Statt Marketing und Vertrieb steht heute Spazieren und Meditation auf dem Plan. Wer schon mal den Eisbach in München hinuntergetrieben ist, kennt das Gefühl – entspannt zurücklehnen und hin und wieder etwas lenken. Den Rest erledigt die Natur für einen. Wirklich?!

Be water my friend

Ace of Water (cups) – Osho Zen Tarot

Der Verstand sagt, dass dies und jenes nicht möglich ist. Zuerst muss man A, dann kommt B. Aus der Erfahrung der letzten Jahre und Monate, kann ich für mich festhalten, dass sich die Verbindung von A nach C nicht zwingend über B ergeben muss. Unsere Bewusstheit reicht nur oft nicht aus, die dahinterliegenden Verknüpfungen zu sehen. Alles ist mit allem verbunden und stets wartet genau die Herausforderung auf uns, für die wir jetzt bereit sind. Auch dieser „Glückskeks-Spruch“ ist eine harte Nuss. Diesen Zusammenhang intellektuell zu verstehen, ist vergleichsweise einfach. Etwas schwieriger ist es ihm zu glauben, aber diesen Ansatz dann auch zu leben erfordert noch viel mehr: Vertrauen. Nicht zuletzt das Vertrauen in sich selbst, welches definitiv nicht mit Glauben verwechselt werden sollte.

Es ist korrekt, dass ein solches Vertrauen und Mut in meinem Falle Ergebnisse einer langen Reise darstellen. Diese mühelose Mühe, wie die Zen-Meister die Arbeit an der eigenen Bewusstheit nennen, hat für mich die Erfahrung auf diesem Planeten komplett verändert. Heute lebe ich weitestgehend angstfrei, gehe fast täglich Beschäftigungen nach, die mir Freude bereiten und fahre fast täglich Mountainbike. Nicht jeder Tag ist wunderbar und nicht jeden Tag ist alles „Wölkchen“, aber eine tiefe Zufriedenheit und das Gefühl JETZT zu leben zieht sich wie ein roter Faden durch fast alle Tage. Das Finanzielle fügte sich ebenfalls schnell dem neuen Flow und verwandelte sich zu einer abhängigen Variablen und räumte ihre Rolle als Schlüsselkomponente.

Ist es bloß gute Einbildung? Positive Psychologie? Wer weiß, welches „Labeling“ Dein Verstand sich gerade ausdenkt, während er versucht das hier dargelegte mit Deiner eigenen Datenbank des „Möglichen“ abzugleichen? Welche Heuristik er auch gerade an den Tag legen mag, diese Rationalisierung wird nicht zum Glücklichsein oder einer dauerhaften Zufriedenheitssteigerung führen und das ist schließlich der Grund, warum Du gerade diesen Artikel liest … denn sonst wäre es Dir doch vermutlich egal, wie jemand zu seinem Glück gefunden hat? …oder doch nicht?

Täglich Brot

„Der eigene Weg entsteht, indem wir ihn gehen.“, sagt eines meiner schlauen Bücher im Regal. Wieder zahle ich einen mentalen Euro in das gedankliche Achtsamkeits-Phrasen-Sparschwein ein. Dennoch haben die alten Meister recht. Ein Beispiel, wie das hier geschilderte, kann nur inspirieren. Es kann keine Blaupause liefern und wird beim Nachahmen definitiv nicht zum gewünschten Resultat führen. Warum schreibe ich das hier dennoch auf? Weil es mir Spaß macht? Vielleicht! Vielleicht meine ich auch durch eine Bezeugung der Funktionsweise des Loslassens Inspiration zu stiften in einer Zeit, die für viele dunkel zu sein scheint. In dieser Welt ist vieles mehr möglich, als wir annehmen und als es uns weiß gemacht wird. Der Glückskeks sagt: „Du bist frei, das Tor ist nicht verschlossen“.

The Architect: “You played a very dangerous game.

The Oracle: “Change always is.

The Architect: “Just how long do you think this peace is going to last?

The Oracle: “As long as it can.

The Oracle: “What about the others?

The Architect: “What others?

The Oracle: “The ones that want out”.

The Architect: “Obviously, they will be freed.

Aus Matrix Revolutions

Als Wichtigstes „takeaway“ betrachte ich die Verknüpfung zwischen der Plackerei und dem Resultat. Welches ich durch das Loslassen durchbrechen konnte. Nach wie vor fasziniert mich selbst die Art und Weise, wie ich zu neuen Kunden, Jobs und Aufträgen gelange. Just in dem Moment, wo ich wirklich wieder offen für Neues bin, tritt auch – wie von Zauberhand – eine solche Opportunität hervor. Ich muss nur ganz wach und bewusst sein, um sie als solche zu erkennen. Natürlich muss ich dann auch handeln. Das Loslassen ist nicht mit einer passiven, depressiven Resignationshaltung zu verwechseln. Als Mensch habe ich Energie, und zwar jede Menge davon. Wenn Du Dich gerade nicht so fühlst, dann ist Deine Energie sehr wahrscheinlich gebunden. Es lohnt sich zu reflektieren, was sie bindet, oder dezimiert und sich vor Augen zu halten, was damit alles möglich wäre, wenn sie sich wieder freier bewegen könnte. Beobachte, ohne zu werten!

Meine Energie bringt mal völlig unerwartet ein neues Projekt in einer bereits verwandten Tätigkeitssphäre hervor, mal klopft ein alter Bestandskunde an die Tür, aber dann entwickeln sich auch ganz neue Dinge und „abracadabra“… arbeite ich als Mountain-Bike-Tour-Guide in der Toskana.

tuscanymike

#rideandchill

Die Angst loszulassen behindert uns auf dem Weg zu dieser simplen Wahrheit. Es ist nicht nur die bloße Überlebensangst, sondern auch das Ego in einer, seiner vielen Verkleidungen. Diese Beobachtung wurde für mich erst durch Meditation und meditationsnahen Praktiken so richtig möglich. Durch die Beobachtung meines eigenen Verstandes gelang es mir erst, das Loslassen auch wirklich auszuprobieren. Jetzt aber kann ich aus eigener Erfahrung sagen: „Loslassen ist das Geheimnis eines glücklichen Lebens!“

Paradise

Mal sehen, was morgen auf mich wartet und ob sich die Angst wieder mal bequemt mir die Ehre zu erweisen und mir leise ins Ohr zu flüstern: „…aber was ist, wenn…DANN bist Du am Arsch…“

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