Keine Arme, keine Bälle

SOULMASTERY

Jüngst habe ich in einer Unterhaltung unverhofft eine Parabel erschlossen, die meiner Meinung nach die Reise in die eigene erweiterte Bewusstheit (oder wie ich es manchmal in Star Wars Jargon bezeichne – ins “Outer rim territory”) gut beschreibt: unsere zwei Arme. Dies bedarf einer kurzen Einleitung.


Es fällt oft schwer im Alltag die Brücke zwischen der weltlichen Herausforderung des Lebens und dem spirituellen zu schlagen. Unser Gehirn, welches in großer Mehrheit der Fälle nicht komplett in Synchronizität der beiden Gehirnhälften operiert ist ja zumeist linksseitig dominant und ordnet für uns alles analytisch und (vermeintlich) wissenschaftlich ein. Das komplexe Leben wird etwas einfacher strukturiert und wir finden uns besser zurecht, den jetzt wissen wir ja wohin: mehr, größer, schneller = überleben. So ist es bei uns mittlerweile eingebrannt, dass alles was nicht nach den Maßstäben des weltlichen Systems direkt zu Geld, Macht und Ruhm führt nicht zum allgemeinen Wohl beitragen kann. Es kommt sofort eine negative Reaktion unseres Systems auf alles esoterische, denn es kostet uns wertvolle Ressourcen, die wir sonst ja in Geldbeschaffung investieren könnten. Das gilt für dabei für alle knappen Güter: Zeit, Geld und Aufmerksamkeit.

Wie also kann man vor sich selbst rechtfertigen das Imperium auf Tattoine bekämpfen zu wollen, oder anders gesagt (für nicht Star Wars Fans) – im esoterischen einen Mehrwert für das Leben zu sehen, ohne es erstmal wirklich erfahren zu haben? Damit unser interner Wächter der Budgets diese Zeit überhaupt genehmigt und man auch sich selbst erlauben kann sich darauf einzulassen, fordert unser Verstand eine Rechtfertigung, eine für ihn verständliche Rationalisierung. Das esoterische lässt sich aber leider schlecht rationalisieren. Vermutlich benutzen die Zen Buddhisten daher immer diese großartigen Kurzgeschichten, die oft unter Zuhilfenahme von Tieren oder einem übertrieben Weisen Meister diese Brücke aufbauen. Da ich leider (hoffentlich noch) nicht übertrieben Weise bin und Tiere “persönlich” nur aus russischen Märchen kenne (und dort machen die andere verrückte Dinge….) wird mein eigener Versuch diese Brücke zu bauen etwas “sportlicher” sein und mit Bällen zu tun haben…..


Wir müssen zunächst etwas in der Zeit reisen, denn in antiken Kulturen wurden Kinder sowohl weltlich wie auch spirituell unterrichtet. Dabei war dies nicht nur reiner Religionsunterricht, sondern die Kunde des mystischen, welches damals der Natur noch zugeschrieben wurde, bevor unsere Wissenschaftler das auseinander-dividiert haben. Die spirituellen und mystischen Dinge wurden sogar noch vor den weltlichen Dingen den Kindern erklärt. Klar war die Wissenschaft damals nicht so weit und man musste paar mystische Grundpfeiler setzen, auf denen das damals noch rudimentäre wissenschaftliche Netz aufgespannt wurde. Heute könnten wir ein ganzes Zirkuszelt aufspannen mit dem was schon ergründet ist….aber die Plane bleibt dennoch zumeist auf dem Boden liegen, denn das spirituelle, mystische, esoterische ist aus den Schulen und Haushalten verschwunden bzw. ausgemerzt worden. Das Interessante dabei ist, dass eben die Kirche hauptsächlich dafür verantwortlich ist, um Eigeninteressen durchzusetzen (aber das ist fast ja eine eigene Geschichte für sich).

Zurück zur Gegenwart und dem Sinnbild. Stellt euch jetzt mal vor – die Kinder kommen auf die Welt und ihre geistigen Arme sind noch wie in einem Ei an den Körper gepresst und können sich nicht entfalten. Hängen da wie in einem unsichtbaren Netz festgebunden. Jetzt kommen die Erziehung und Bildung und erklären den Kindern, dass sie einen rechten Arm haben. Der ist super und kann ganz krasse Sachen. Jeder Finger steht dabei symbolisch für (z.B.) einen unserer fünf externen Sinne, oder die grundlegenden wissenschaftlichen Künste wie Rechnen, Lesen, Schreiben usw. Der linke Arm, der dem emotionalen und esoterischem symbolisch zugewiesen werden kann, wäre damit für die Dinge wie Philosophie, Mystik und der Gleichen verantwortlich. Dieser wird aber nicht aus dem Kokon gehoben, sondern bleibt erstmal in seinem embryonalen Zustand am Körper kleben, wie angebunden. So starten heute die jungen Menschen ins herausfordernde Leben. Das Leben und die Existenz werfen uns nun aber ständig Bälle zu. Mal sind es kleine Tischtennisbälle, mal Basketbälle und dann wieder auch große Pakete zu tragen, wie Medizinbälle. Wenn man also nur einen Arm hat, kann man vielleicht den einen oder anderen Ball mal fangen. Die ganz geschickten und fleißigen können auch mit etwas Übung recht viele Bälle mit einem Arm fangen. Dies hängt auch davon ab, was das Leben für denjenigen an Bällen parat hält. Es ist aber deutlich einfacher die Bälle mit zwei Händen zu fangen und dann auch damit zu spielen und zu erkennen was es überhaupt ist. Wenn man einen Ball mal in beiden Händen gehalten hat, weiß man einfach intuitiv, wie gut sich das anfühlt gegenüber dem Fangen und Halten mit nur einer Hand.


Wie kann man nun den zweiten, verkümmerten Arm der Menschen entbinden und zum Leben erwecken? Daran haben sich natürlich eine große Menge Leute versucht und Ansätze über Ansätze stapeln sich im Netz, Bibliotheken und auch im täglichen Leben. Der linke Arm so lange angebunden gewesen, dass man ihn zunächst gar nicht mehr spüren kann. Am häufigsten geschieht es per “Zufall”. Nach der Entdeckung geht es los mit einem gewissen Kribbeln, da sich Leben in dem Arm ausbreitet und verschiedene Dinge gefühlt werden können, ähnlich wie bei einem eingeschlafenen, physischen Körperteil. Das ist der Eingang zu der eignen Gefühlswelt und der Einstieg in den „Beweis“ der mystischen und esoterischen Realität. Sie kann auch zuweilen am Anfang etwas Angst machen – genauso wie der eingeschlafene physische Arm, der dann kurz weh tun kann bei der Durchblutung. Automatisch stellen wir uns die Fragen: Wie kann es sein, dass dort etwas so Gewaltiges ist, was man offensichtlich nicht bemerkt hatte?! Kann das sein? Ist es eine Falle? Tut es mir mehr weh als gut? So und so weiter geht dann der innere Dialog. Es sind dann die intuitiven Fragen der rechten Hand und damit der linken Gehirnhälfte, die doch das Zepter unseres Lebens in der Hand hält und uns befiehlt analytisch und atheistisch in der Welt zu werkeln, um unser tägliches Brot zu sichern.

Jetzt aber noch mal einen Schritt zurück. Wie kann man den Arm ertasten und ggf. befreien? Wo ist der Ansatzpunkt? Was ist die beste Methode? Klar, diese Fragen sind brennend, wenn bis jetzt noch nicht die linke Gehirnhälfte einen schon mit Zweifeln besiegt hat und das alles als Humbug abgetan ist. Was nun aber tun, wenn man sich selbst noch nicht eingestehen will, dass man sich ggf im Leben etwas verrannt hat und zu viel in die eine Richtung investiert hat und die andere völlig vernachlässigt hat? Vielleicht spürt man auch schon, dass der Grenznutzen des Trainings der ausgeprägten Hand stark abnimmt und man nicht so richtig im Leben “vorwärts” kommt. Die Bälle des Universums gehen dann doch eher ins Auge, oder auf die zwölf, als in die Hände bzw die eine Hand, die vielleicht immer noch einen Golfball hält….

Wie geht man nun am besten diese Reise an? Die Anerkennung der Tatsache, dass es da etwas gibt, was uns verborgen geblieben ist, ist meines Erachtens der erste wichtige Schritt. Dieses Wissen wurde vor uns nicht umsonst quasi versteckt.  Einige flache Hollywood Streifen deuten altes mystisches Wissen an, Gerüchte und Verschwörungstheorien kreisen im Internet, hier und da hört man von Opferritualen der Eliten. Für ein altes und vermeintlich sinnloses Themengebiet erhält dieses Thema doch konstant Beachtung in unserer Welt. Vielleicht ist es gerade der aktuell ausufernde darwinistische Humanismus auch die treibende Kraft hinter dieser spirituellen Welle….?

Zurück von der Verschwörung zu uns. Wer ein paar Bälle des Universums in Zukunft richtig fangen will, dem kann ich nur raten die Reise in die eigene Innenwelt (und damit ein Stück weit in das Esoterische) anzutreten. Es ist letztendlich immer eine Reise ins ich, um zu sehen und zu verstehen, dass alles verbunden ist. Die Befürchtung etwas dort zu finden, was einem nicht gefallen könnte, ist durchaus berechtigt, aber wie jede Angst löst sich diese auf (wie Nebel) in dem Moment, in dem man durch sie durchgeht. Und was kann es schöneres geben, als die eigenen Dämonen so in Rauch aufgehen zu sehen. Was dann auf einen wartet, kann man nicht wirklich beschreiben, denn das ist in der Tat vermutlich zu individuell, aber es hilft definitiv zu verstehen, dass das Leben ein Scherz ist und man diesen auch ruhig mit einem Lächeln nehmen kann. Es gibt sicherlich sehr viele Eingänge in dieses Thema. Meditation ist einer, Religion ist keiner. Philosophie ist einer, Netflix ist keiner. Berufung ist einer, der (heutige) Beruf ist zumeist keiner. Extremsport ist einer, Fitnessstudio ist keiner.

Die Meditation kann vielfältig sein. Zen ist ein toller Ansatz, aber bei weitem nicht der Einzige. Je mehr man ausprobiert, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass man etwas für sich Passendes findet. Die Zeit mit sich und nicht mit dem eigenen Ego ist der Weg zur erhöhten Wahrnehmung der Umwelt. Dann fängt man an den abgebundenen Arm zu spüren und kann dem vielleicht sogar mit dem anderen Arm helfen sich zu befreien. Die beiden Arme sind (welch Überraschung) keine Gegner. Der Intellekt hilft uns beim Verständnis auch dieses nicht-wissenschaftlichen Themas. Denn die beiden Seiten in uns sind Partner und wir brauchen sie beide um die Dualität aufzulösen auf dem Weg zu einem ganzheitlichen Wesen und Leben. Dann fängt man wahrhaftig an den Witz des Lebens zu verstehen und fast dauerhaft zu Lächeln…. und öfters zu lachen. Im Zen sagt man, dass man dann das „one hand clapping“ hört. Das klatschen mit einer Hand. ?

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