Die Zeitleiste

SOULMASTERY

Der Anfang meiner “ernsthaften” beruflichen Karriere war bei einer Unternehmensberatung. Diese hat mich unheimlich viele Sachen gelehrt, die ich jetzt viele Jahre später noch nutzen kann. Manches um tatsächlich effizienter und professioneller zu agieren, andere Sachen lassen mich jedoch gründlich nachdenken darüber wie ich mein damaliges Leben geführt habe. So ist eines davon die Zeitleiste, oder damals natürlich die “Timeline”. Auf diese Leiste wurde alles gelegt. Ob die Sachen wollten, oder nicht, ob sie passten, oder nicht – alles musste auf die Timeline gelegt werden.

Witzigerweise ist eben diese Timeline ein hervorragendes Kontrastmittel für eine Parabel auf unser ganzes Leben, denn dieses verläuft eben auch auf der Zeitleiste. Mir geht es dabei um einen ganz besonderen Bereich dieser Zeitleiste – das “Hier und Jetzt”. Im augenblicklichen Moment gibt es nämlich (für die meisten von uns, denen nicht gerade im Moment z.B. Messer im Arm steckt) keine Probleme, Sorgen, oder Ängste. Diese kommen erst mit der Dimension Zeit ins Spiel. Ich habe mir erlaubt diesen Zusammenhang anhand der folgenden Grafik zusammen zu fassen.

Was auf den ersten Blick vielleicht komisch erscheinen mag, wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass z.B. die Hoffnungen, Sorgen und Ängste durch unsere Projektion in eine Zukunft entstehen. Wir überlegen uns wie etwas dann sein soll und wünschen es uns, hoffen z.B. auf die Aufrechterhaltung des Status quo, oder auf eine bestimmte Entwicklung unserer Geschäfte und Projekte. Wenn wir beispielsweise vor unserem Computer sitzen, oder in einem Restaurant gibt es in dem jeweiligen Moment kein Problem, denn wir leben, wir atmen, wir haben in den allermeisten Fällen ausreichend zu essen und zu trinken und werden nicht bedroht. Das stressige Gespräch mit dem Chef, oder Kunden, oder die unangenehme Auseinandersetzung mit den Kollegen mag uns in dem Moment aufs Gemüt drücken, da sie bald ansteht – aber das ist der Punkt – sie steht eben an und ist nicht in dem Augenblick. Die Augenblicke in denen wir tatsächlich uns in einer geistigen, oder körperlichen unangenehmen Situation befinden sind sehr limitiert. 99% des Tages verbringen wir rein objektiv gesehen in völliger Glückseligkeit. Es fällt uns nur schwer diese zu erkennen, da eben die Projektionen der Erwartungen und Wünsche und die damit verbundenen Ängste und Sorgen uns plagen.

Ähnlich verhält es sich mit der Vergangenheit. Während manche eher in der Zukunft verweilen, plagt andere wiederum die Vergangenheit. Aus dem Grund setzen auch hier die meisten Psychotherapien an. Auch die Vergangenheit hat an sich auf den aktuellen Augenblick keine Auswirkung und Macht. Wir verleihen unseren Bedenken, Bedauern und Traumata die Kraft, indem wir ihnen unsere Aufmerksamkeit und damit Energie schenken.

Interessant ist auch in diesem Zusammenhang die Abhängigkeit von der Entfernung des Zeitpunktes von dem Hier und Jetzt. Je weiter das vermeintliche Problem in der Zukunft, oder Vergangenheit liegt, desto schwerer scheint es uns zu treffen. Die “schweren” Treffer gehen direkt in unser Unterbewusstsein, da unser Bewusstsein oft mit den zeitnah anstehenden Problemen beschäftigt ist. Wie manche ggf. durch eigene Therapieerfahrung, oder Probleme wissen – es sind die Sachen, die eben in unserem Unterbewusstsein sind, die uns so schwer zu schaffen machen und so schwer abzulegen sind. Dieser Zusammenhang wird plastischer, wenn wir dies am Beispiel einer Hoffnung darstellen. Nehmen wir z.B. unsere Hoffnungen, die wir in unsere Rente bzw. Lebensabend projizieren. Dieser Abschnitt ist je nach aktuellem Alter relativ weit weg und so haben z.B. Menschen um die Mitte 30 sehr große Ängste und Hoffnungen im Hinblick auf die Zeit “dann”. Sie treiben die Vorsorge-, Karriere- und spätere Existenzängste um. Je größer der zeitliche Abstand zu dem Ereignis, desto größer das Spannungsfeld. In dem Zeitabschnitt bis zur Rente kann ja noch so viel schief gehen, oder eben auch gutes passieren. Diese Unsicherheit treibt die Angst.

Was nun tun? Wie kann man damit umgehen? Einfach die Hände in den Schoß legen?

Um bei dem letzten Beispiel zu bleiben, ist natürlich unsere Projektion einer Aussicht auf einen angenehmen Lebensabend geringer, wenn wir tatsächlich einfach unsere Hände in den Schoß legen und nur den ganzen Tag nur vor uns vegetieren, Computerspielen, oder Serien schauen. Das ist natürlich auch nicht unbedingt falsch, jedoch wollen die allermeisten dieser Zeitvergeudung nur so lange nachgehen, solange diese eine “verbotene Frucht” in unserem calvinistischen Alltag ist. Sobald wir es wirklich haben können (z.B. im Falle einer längeren Erkrankung) merken wir schnell, wie langweilig es ist. Durch unsere schöpferische Natur wollen wir Menschen immer etwas erschaffen und irgendwie tätig sein. Die meisten von uns gehen einer Tätigkeit nach und je mehr unser Beruf an unsere Berufung herankommt, desto sicherer ist es, dass wir ganz entspannt davon leben können. Das Beruf und Berufung zusammen fallen ist natürlich nicht immer gegeben (aber das ist ein separates Thema). Allerdings hat der Mitte 30-jähriger in unserem Beispiel häufig studiert, schon einige berufliche Erfahrung gesammelt und kann immer einer Beschäftigung nachgehen, die die Notwendigkeiten sichert.  Daher ist es kein wirkliches existenziellen Problem die Zukunft einfach mal Zukunft sein zu lassen und sich mehr in dem “Hier und Jetzt” aufzuhalten, den Druck aus dem Kessel zu nehmen und sich der Gewissheit hinzugeben, dass ein glückliches und erfülltes Leben im Jetzt das sicherere Konzept für die Zukunft ist, als eine permanente Jagd nach der projizierten Zukunft, die so oder so nicht in der Art eintritt, wie man sich diese vorstellt. Zu groß ist der konstante Wandel in allem was uns umgibt, als das wir die Zukunft so vorhersagen könnten.

Zu bedenken ist auch das gesundheitliche Risiko einer Lebensweise in Erwartungen, Hoffnungen und Ängsten. Diese Spannungen entladen sich häufig in Krankheiten. Selbst wenn man dann ein größeres Karriereziel erreicht hat, kommt es nicht selten zu Herzinfarkten und Schlaganfällen. Das Ziel ist erreicht, diese unglaubliche Spannung löst sich plötzlich auf und die überströmende Energie verursacht quasi einen Kurzschluss. So, oder so ist das Leben im Jetzt die bessere Vorsorge und auch die reichhaltigere Lebensweise. Durch die Verlagerung der Aufmerksamkeit auf den aktuellen Moment durch Training der eigenen Achtsamkeit und Bewusstheit kommt man auch in der eigenen emotionalen Welt an, denn Gefühle und Empfindungen existieren nur im Hier und Jetzt. Je mehr wir in der Zukunft und in der Vergangenheit sind, desto mehr sind wir in Gedanken und weniger in Emotionen. Sie sind quasi komplementär in dieser Parabel. Im Hier und Jetzt stellen sich auch so einige Gedankenschleifen ab, während sich diverse Emotionen einstellen. Da Glück und Zufriedenheit nun mal Gefühle sind, ist auch das Hier und Jetzt so erfüllend.

Natürlich gibt es auch nicht so schöne Emotionen, die sich dann ergeben, aber genau diese im Hier und Jetzt auszuleben ermöglicht ein Trauma-freies Leben. Dies entlastet das Unterbewusstsein und schafft eine unglaubliche Menge Kopfraum. Dieser Raum ist auch derjenige, der uns mit Kreativität, Motivation und Kraft ausstattet. Diese Kräfte sorgen für unseren Antrieb, der dann oft die Richtung unseres Handelns ändert und uns näher an unsere Berufung bringt (für eine weitere Ausführung zu diesem Themengebiet Punkt hier entlang), falls wir nicht schon dieser nachgehen sollten.

Es gibt sehr viele Möglichleiten unsere Achtsamkeit und Bewusstheit zu schulen und zu trainieren – Meditation ist meiner Meinung nach eine unglaublich effektive Methode. Sie bietet uns Raum die ganzen Ängste, Hoffnungen und Gedanken zu beobachten. Die Beobachtung ist der direkte Weg die beobachteten Themen loszuwerden, ohne diese zu unterdrücken, oder sich zu verbieten. Durch Beobachtung lösen sie sich einfach auf. Die Meditation hat mir auch aufgezeigt, wie viel ich im Denken und wenig im Fühlen verbracht habe. Jetzt bewege ich mich öfters  mich in die “goldene” Zone der Zeitleiste (gem. obiger Skizze). Je mehr ich im Hier und Jetzt ankomme, desto mehr fühle ich und die Gedanken sind frei sich kreativ und produktiv zu entfalten, anstatt in Gedankenschleifen um meine (mir aufgedrückten) Neurosen zu kreisen. Die Prozessorkapazität ist eben auch nicht unendlich und der positive Effekt auf die ganzheitliche Gesundheit ist faszinierend und kaum mit der Schulmedizin zu erklären. Genau aus dem Grund und mit diesem Antrieb haben wir unser Leben verändert und möchten dies mit möglichst vielen teilen durch unsere Kurse und Seminare.

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